Neue Chancen für Wintergerste |
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Die Fruchtart Wintergerste besitzt in den meisten landwirtschaftlichen Betrieben eine feste Position in der Fruchtfolge. Dies zeigt sich in ihren Anbauflächen, die seit Beginn der neunziger Jahre sehr konstant lagen und nur geringfügige Flächenveränderungen aufwiesen. Die Wintergerste ist also eine "krisenfeste" Fruchtart, lediglich erschwerte Aussaatbedingungen wie im Herbst 2001 führten vor allem regional zu sehr starken Schwankungen der Anbaufläche. Die starke Verbreitung der Wintergerste als Fruchtart kann auf verschiedene Gründe zurückgeführt werden:
Ihre Vorzüge kann die Wintergerste jedoch nur ausspielen, wenn sie optimal angebaut wird. Wintergerste ist keine "abtragende" Fruchtart, sie verlangt ein fundiertes acker- sowie pflanzenbauliches Wissen. Sie reagiert sehr empfindlich auf Bearbeitungs- und Behandlungsfehler. Die Pflanzenzüchtung versucht gerade bei Wintergerste allgemein robuste Sorten zu selektieren. Ertragskonstanz und Ertragssicherheit sind entscheidende Kriterien. Dabei spielen züchterische Verbesserungen bei den Merkmalen Kornqualität und Standfestigkeit sowie deren Kombination eine besondere Rolle. Der Strohstabilität kommt v. a. bei mehrzeiliger Wintergerste eine besondere Rolle zu. Weitere Verbesserungen der Gesundheit im Bereich der bekannten Blattkrankheiten in neueren Selektionen sind zu erwarten. Die Einlagerung neuer Resistenzquellen bei Gerste aus Wildmaterial ist aufgrund ihrer genetischen Konstellation und der mittlerweile sehr guten Einsatzmöglichkeiten von biotechnologischen Methoden erfolgreich. Insofern ist ein Züchtungsfortschritt im Vergleich zu anderen Getreidearten relativ schnell zu realisieren. In den letzten Jahren sind vor allem Blattflecken (nicht parasitär sowie durch Ramularia bedingte) stärker in das Blickfeld der Pflanzenzüchter gerückt. Nachdem in den letzten Jahren Veränderungen im Verhalten von Sorten gegenüber den bodenbürtigen Gelbmosaikviren beobachtet werden konnten, intensivieren die Züchter zusätzlich die Selektionsarbeit zur Nutzung neuer Resistenzquellen gegen diese Erregergruppe. Die Kalamität in weiten Teilen Europas bezüglich Gelbverzwergungsvirus im letzten Herbst, deren Tragweite erst im Winter bzw. Frühjahr 2002 deutlich wurde, zwingt dem Wintergerstenanbauer neue Anbaustrategien auf. Bezüglich des Verhältnisses von zwei- zu mehrzeiliger Wintergerste werden sich in Deutschland wahrscheinlich neue Tendenzen abzeichnen. Verschiebungen zwischen beiden Formen könnten regional sehr unterschiedlich ausfallen. Mitentscheidend hierfür dürfte letztlich das jeweilige Vermarktungsziel des Landwirtes sein. Es bleibt abzuwarten, ob Hybriden bei Wintergerste den Durchbruch schaffen werden. Offensichtlich wird aber die Winterbraugerste ein Thema bleiben, was die Züchter verstärkt in ihre Selektionen mitaufgenommen haben bzw. weiter aufnehmen werden. Das Marktpotential wird davon abhängen, wie weit die Vermälzungsqualität in der Wintergerste im Vergleich zur Sommergerste verbessert werden kann. Dr. Andreas Jacobi, W. von Borries-Eckendorf GmbH & Co |