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Produktionstechnik Weizen (Teil 2) - Größere Baustellen

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Keine andere Fruchtart zeigt so vielfältige Resistenzunterschiede wie Weizen. Klassische Krankheiten wie Mehltau und Roste sind züchterisch "besiegt", auch bei Septoria, DTR oder Fusarium gibt es mittlerweile spürbaren Zuchtfortschritt. Andererseits erfordern frühere Saattermine, höhere N-Gaben und engere Fruchtfolgen einen höheren "Reparaturaufwand".

Bivalentes Inputverhalten
Die regionalen Ertragsunterschiede zwischen den Sorten können aus den wenigen Standorten der SU-Inputversuche nicht herausgearbeitet werden, hier entscheiden die LSV-Ergebnisse bzw. örtlichen Anbauerfahrungen. Das beste Beispiel sind Weizenhybriden wie Hybnos 1. Unter standardisierten Versuchsbedingungen ist auch hier keine Wirtschaftlichkeit nachzuweisen, unter stressreicheren Praxisbedingungen überzeugen die Hybriden hingegen vielerorts auf schwierigen Standorten, als Stoppelweizen sowie auf Trockenstandorten. Von Interesse für unsere Betrachtung ist vorrangig die unterschiedliche Reaktion der Sorten auf die Intensitätsmaßnahmen. Grafik 1 zeigt acht Sorten, die zweijährig über alle Standorte geprüft wurden, die Ergebnisse mit jüngeren Sorten aus 2003 folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

  • Sowohl bei zweijähriger Betrachtung (Abb.1) als auch für 2003 (Abb.2) ist festzustellen, dass einige Sorten bei Blattvorfrucht und wendender Bodenbearbeitung ihren höchsten Nutzen bereits bei mittelhoher N-Düngung ohne jeden Fungizideinsatz bringen. Dies ist umso bemerkenswerter, also es sich hierbei um A-Sorten handelt, die auf weniger intensiven Standorten ertraglich nach wie vor überzeugen (BATIS/PEGASSOS). 
  • Als zweite Gruppe sind weniger ährengesunde Sorten vom Typ Bandit abzugrenzen, die die Vorährenbehandlung mit besonders hohen Zuwächsen lohnen. Weitere Maßnahmen sind allerdings auch bei diesen gern als „Intensivtypen“ bezeichneten Sorten nicht generell wirtschaftlich. 
  • Die um 40 kg/ha höhere Schossdüngung in Stufe 3 lohnen sortenspezifisch neben der Vergleichssorte Drifter vor allem BATIS und VERGAS, beides Sorten geringerer Einkörnung und hoher Blattgesundheit.  
  • Die zweite Fungizidbehandlung bei hoher N-Düngung lohnt am ehesten der Septoria- und HTR-anfälligere Sortentyp Drifter, abgeschwächt auch Maverick und ToMMI. 
  • Für einen ganz neuen – bivalenten - Intensitätstyp steht TOMMI. Zum einen zeigt die Sorte eine ausgeprägte Low-Inputeignung: Bei der geringen Anbauintensität 1 fiel sie in allen Jahren weniger stark ab als das Sortenmittel. Andererseits honoriert TOMMI zusätzliche Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen wie High-Input-Sorten. Der Vorteil: Als gesunde und standfeste Sorte fällt TOMMI kaum ab, wenn intensitätssteigernde Maßnahmen nicht zur Wirkung kommen (St.1). Umgekehrt mobilisiert die Sorte im Intensivanbau ein geradezu unglaubliches Potenzial und kann somit flexibel für unterschiedlichste Ertragsvoraussetzungen eingeplant werden. 
  • Für die Sorte TOMMI werden beispielhaft auch die Ergebnisse des Extremjahres 2003 dokumentiert, das in seiner Hauptwirkung ja bereits im ersten Teil dieses Beitrags beschrieben wurde. Ausgerechnet auf dem Hochertragsstandort Rügen war die Low-Input-Variante die lohnendste, auf anderen Standorten auch die Varianten 2, 3 und sogar 4. Voraussehen konnte das 2003 jedoch niemand! 

Das komplexe Wechselspiel begreifen
Die Ergebnisse zeigen, dass Standort und Jahreswitterung das Ertragsniveau stärker beeinflussen als Sortenunterschiede dies tun. Anders bei der Anbauintensität: Hier ist der Einfluss der Sorte mindestens genauso groß, häufig sogar dominierend. Zwar können aus den vorgestellten Versuchen keine konkrete Empfehlungen für Einzelschläge abgeleitet werden. Andererseits ergeben sich für bestimmte Standort/Sorte-Konstellationen wertvolle Entscheidungshilfen.
Lässt eine Anbaumaßnahme gerade Kostendeckung erwarten wie 2003, so ist das Ergebnis unterschiedlich zu interpretieren. Entfallen sollte sie im integrierten Weizenanbau mit gesunden Sorten. Hier sollen - und können! - Eingriffe auf das Allernotwendigste begrenzt bleiben. Riskantere Anbauverfahren sind dagegen von vornherein mit höherer Behandlungsintensität einzuplanen, auch wenn sich die zusätzliche Düngungs-, Herbizid-, Insektizid- oder Fungizidmaßnahme im nachhinein als Versicherungsbeitrag herausstellt.
So kommt die Sorte TOMMI bei angepasster Saatzeit, Fruchtfolge und N-Düngung fast immer mit einer einmaligen Fungizidmaßnahme aus. In intensiven Anbauverfahren mit früher Saat oder ungünstiger Vorfrucht ist jedoch der Sicherheitsaspekt nicht zu vernachlässigen. Hier erfordert die gleiche Sorte unbedingt ein zusätzliches, HTR-wirksames Fungizid zum zweiten Einkürzungstermin, nach Körnermais ist eine Ährenbehandlung mit Triazolen einzuplanen.

Es gibt wirklich größere Baustellen!
Diskussionen über die N-Düngung und Pflanzenbehandlungen müssten aus rein ökonomischer Sicht heute keinen sehr großen Stellenwert mehr einnehmen. Wie die Versuche zeigen, ist bei Blattvorfrucht, wendender Bodenbearbeitung und normalen Saatterminen schon mit einer mittelhohen N-Düngung und einmaliger Fungizid- und WR-Behandlung das meiste verdient 1) . Zusätzliche Maßnahmen brachten in dieser Versuchsanstellung je nach Jahr nochmals 3 - 8 dt/ha mehr, nur in wenigen Umwelten resultierte daraus jedoch ein Mehrgewinn. Zu verdanken ist dies der enormen Basisleistung moderner Sorten ohne Pflanzenschutz - hier zeigt sich der eigentliche züchterische Ertragsfortschritt. Hinzu kommen leistungsfähigere Fungizide, die ebenfalls eine reduzierte Behandlungsintensität ermöglichen.

Schade einerseits, ist doch mit mehr Arbeit auf dem Acker kaum mehr Geld zu verdienen. Schön andererseits: Denn so bleibt mehr Aufmerksamkeit für den anbautechnischen Feinschliff in anderen Bereichen: Fruchtfolgeplanung, Aussaatoptimierung, Arbeitsverteilung, Strohmanagement, Bodenschonung, Ernteoptimierung - es gibt wirklich größere Baustellen.

Sven Böse, SAATEN-UNION Fachberatung

1) Das gilt für die hier untersuchten Maßnahmen in Standardsituationen bei ortsüblicher Ertragserwartung, im Höchstertragsbereich ergeben sich zusätzliche Minimumfaktoren.




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