Hinweis
Die Texte, die Sie in unserem Archiv finden, wurden in den Vorjahren verfasst, sind also hinsichtlich ihres Erstelldatums nicht mehr brandaktuell. Viele Texte haben aber nichts an Fachaktualität verloren.

Bei einigen Beiträgen werden jedoch zum Beispiel Sorten, Ausprägungen oder Preise genannt, die nicht mehr den heutigen Marktbedingungen entsprechen. Wir bitten Sie, dies besonders dann zu berücksichtigen, wenn Sie die Informationen weiterverwenden möchten.

Produktionstechnik Weizen (Teil 1) - Lohnt Feinschliff noch?

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Soll nach zwei Missernten die Produktionstechnik auf das vordringlichste reduziert werden, um jeden Cent zu sparen? Oder soll mit Spitzenerträgen wie 2001 die Hochpreisphase voll ausgenutzt werden? So oder so, in jedem Fall braucht der Praktiker Kenntnisse über das Intensitätsverhalten seines Standorts, seiner Sorte und über den Einfluss der Jahreswitterung. In ihren "Inputversuchen" untersucht die SAATEN-UNION das Zusammenspiel dieser drei Hauptwirkungen.  

Behandlungsaufwand 120 - 280 €
Durchgeführt werden die Versuche bei den SAATEN-UNIONs-Gesellschaftern sowie Partnerunternehmen 1) , die Organisation und Verrechnung erfolgt durch die SU-Versuchsstation Grünseiboldsdorf. Die Inputvarianten decken mit 120 bis 280 €/ha für Stickstoff, Wachstumsregler und Fungizide einen sehr weiten Intensitätsbereich ab (Tab.1):

  • Stufe 1 zeigt die „nackte Sortenleistung“ bei einem Düngungsniveau von ca. 180 kg N/ha ohne Fungizide und Wachstumsregler
  • Der Vergleich der Stufen 2 und 1 zeigt die Auswirkung einer einmaligen Fungizidbehandlung in EC 39 – 49,
  • der Vergleich der Stufen 3 und 2 beschreibt den Sorteneffekt einer um 40 kg erhöhten N-Düngung im Schossstadium 
  • der Vergleich der Varianten 4 und 3 analysiert den Nutzen einer zweiten frühen Blattbehandlung bei hoher Düngungsintensität. 

Für die Berechnung des Geldrohertrags wurden neben den standortbezogenen Dünger- und Mittelkosten 5 €/ha Kosten für jede Durchfahrt berechnet sowie 50 €/ha höhere Saatgutkosten für die Hybriden. Die Erlöse wurden für jeden Versuch einzeln abgeleitet, entsprechend der qualitätsabhängigen Preise vor Ort zum Zeitpunkt der Ernte. 

Wie wird das Jahr?
Es gibt keine seriöse Wettervorhersage über einige Wochen hinaus, eines ist jedoch sicher: Die Jahresschwankungen um den Trend sind vielfach größer als der übergeordnete Wärmeanstieg um etwa 0,02°C jährlich. Deshalb wäre es ein großer Fehler, die letztjährigen Erfahrungen stärker zu gewichten, nur weil sie zeitlich näher liegen als die Vorjahre (Abb. 1):

  • 2001: Dem warmen Herbst 2000 folgte eine Vegetationszeit ohne Witterungsextreme - günstige Wachstumsbedingungen für den Weizen und seine Parasiten. „Viel bringt viel“ war das Erfolgsrezept für eine Rekordernte über alle Standorte und Sorten. Um 21 dt/ha stieg der Ertrag mit steigender Düngung sowie einer gesonderten Fuß-/Blattbehandlung, kostenbereinigt blieben davon 100 €/ha auf dem Konto!
  • 2002: Durch die Frühjahrsnässe war die Wurzelentwicklung stark beeinträchtigt, so dass die Hitzeperioden im Mai und Juni großen Schaden anrichteten. Vielerorts wurde die Kornausbildung zusätzlich durch extremes Lager und hohen Fusariumbefall nach einem nassen, lichtarmen Juli beeinträchtigt. Hochwirtschaftlich war nur die Vorährenbehandlung, diese erhöhte den Ertrag um 9 dt/ha, kostenkorrigiert blieben 5 % (34,– €) Mehrerlös!  
  • 2003: Staunässe im Herbst, Eiseskälte im Winter und Dauerdürre von Februar bis Juni, die zweite Katastrophenernte hintereinander nach vielen Jahren kontinuierlichem Ertragszuwachs! Eine Fungizidmaßnahme war mit 4 dt/ha Mehrertrag im Mittel der Standorte noch kostendeckend, jede weitere der geprüften Maßnahmen belasteten das Nettoergebnis mit 20 – 30€/ha. 

Wie groß sind die Standorteffekte?
Abb. 2 zeigt die Hauptwirkung Standort im Mittel der Sorten, wobei das Extremjahr 2003 zunächst unberücksichtigt bleibt. Ohne auf alle Besonderheiten eingehen zu können, sind doch einige grundsätzliche Ergebnisse festzuhalten:

  • Zwischen dem Ertragsniveau eines Standorts und dessen optimaler Intensität besteht kein zwingender Zusammenhang. Eine mittlere Intensität (Stufe 2) kann sowohl bei hohem wie auch niedrigem Ertragsniveau optimal sein, wie die Beispiele Kleptow und Langenstein belegen. Beiden Prüfstandorten ist jedoch gemeinsam, dass geringe Niederschlagswahrscheinlichkeit die physiologische Wirkung der Maßnahmen und den Krankheitsdruck "verdünnen".
  • Lohnend über alle Standorte war nur die einmalige Fungizidbehandlung in EC 39 - 49 mit durchschnittlich 50 €/ha Gewinnzuwachs! Im niederschlagsreichen Niederbayern (Irlbach) und langsam abreifenden Schleswig-Holstein (Kiel) lohnte diese Vorährenbehandlung sogar mit +100 €/ha! 
  • Die erhöhte Schosserdüngung (Stufe 3) war nur auf wenigen Standorten eindeutig lohnend, darunter vor allem Sülbeck (Südhannover) und Hovedissen (Ostwestfalen), die beide dank ausreichender Wasserversorgung üppigere Bestände tragen können.  
  • Anders hingegen die stärker von Pilzkrankheiten heimgesuchten Standorte Kiel und Seehof sowie einjährig auch Dörgelin und Granskevitz: die erhöhte N-Düngung in Stufe 3 allein war hier nicht wirtschaftlich. Erst zusammen mit der zusätzlichen Blatt-/Fuß-Behandlung in Stufe 4 konnte der Stickstoff wirtschaftlich umgesetzt werden.

Natürlich können diese Erfahrungen nicht 1:1 auf konkrete Praxissituationen übertragen werden, hier zählt die Beratung vor Ort. Trotzdem machen die Ergebnisse Mut zu einem intensiven Weizenanbau mit vertretbaren Kosten. Wichtig sind jedoch die Anbauvoraussetzungen:
Für diesen Beitrag wurden ausschließlich Versuche mit Blattvorfrucht, normaler Saatzeit und wendender Bodenbearbeitung zusammengestellt, also eher "gesunde" Anbauverfahren 2) .
Außerdem ist natürlich die Sorte von Bedeutung, siehe hierzu den zweiten Teil, die Gesamtinterpretation unseres Versuchsberichts auf Seite 15 - 16.

Sven Böse
SAATEN-UNION Fachberatung

1) Einbezogen sind auch die Saatzucht Dieckmann, die HYBRO GmbH sowie die Firma Aventis
2) Die Versuchsergebnisse zu Frühsaaten, "Stoppelweizen" und pfluglosen Varianten werden in einem weiteren Bericht gesondert vorgestellt, das Behandlungsoptimum weicht dort erheblich nach oben ab.




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