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Mehr Spielräume im Weizenanbau

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In der Hildesheimer Börde ist der Wechselweizenanbau populär. Gerade in Betrieben mit Zuckerrübenfruchtfolge kann sich je nach Schlagkraft und Witterung die Weizenaussaat sehr verzögern. Drilltermine nach dem 15. November sind daher keine Seltenheit. Betriebsleiter Joachim Sehle aus Vallstedt bei Peine setzt daher seit Jahren auf wertgeprüfte Wechselweizen der SAATEN-UNION.

Herr Sehle bewirtschaftet einen 110 ha Ackerbaubetrieb mit der Fruchtfolge Winter-/Wechselweizen - Wintergerste - Zuckerrüben sowie 70 ha für die Nachbarschaft. Auf 50% der Getreideflächen wird Saatgetreide für das Raiffeisen-Agrarzentrum Braunschweig vermehrt. Neben den 2 Gersten- und den 5 Winterweizensorten (u. a. AKRATOS und TOMMI) ist der Wechselweizen THASOS zur kommenden Ernte im Vermehrungsanbau. Sehle ist „Selbstaufbereiter“ und kommt mit der Vielfalt an Sorten gut zurecht, gleichzeitig bedeutet sie eine erhebliche Risikostreuung bzgl. der Sortennachfrage.

Warum Wechselweizen?
In früheren Jahren hat Joachim Sehle Sommerweizen vermehrt. In so manchem witterungsbedingt „guten“ Herbst fand der nur schwer Absatz, in regenreichen und schwierigen Jahren reichte das Saatgut oft nicht. Das hat sich mit der Einführung von Wechselweizen geändert, denn dieser bietet eine ungeahnte Saatzeitflexibilität und extreme Handlungsspielräume.
Wechselweizen-Sorten unterscheiden sich in ihrem Aussaatfenster: XENOS und die neue Sorte MELISSOS werden ab Mitte Oktober, THASOS ab Anfang November und der früheste aller Wechselweizen, NAXOS, von November bis Anfang April des darauf folgenden Jahres gedrillt. Die Sorten sind sehr schnell in ihrer Anfangsentwicklung, ausreichend winterhart und benötigen vor allem keine Vernalisation.

Spielräume bei Aussaat und Ernte
Joachim Sehle fiel auf, dass seine THASOS-Vermehrung, gedrillt am 15. November, nur wenige Tage nach dem Winterweizen, den er regulär am 10. Oktober gedrillt hat, reif ist. Dies führt zu arbeitswirtschaftlichen Vorteilen nicht nur im Herbst, sondern auch bei der Ernte. Der Betrieb Sehle drillt Weizen selten vor dem 1. Oktober, um der Gefahr eines deutlich höheren Krankheitsdruckes und dem Problem des Blattlausbefalls im Herbst zu entgehen. Die Blattläuse übertragen häufig das Gelbverzwergungsvirus, das zu erheblichen Ertragsausfällen führen kann.

Seit die Rüben mit dem neuen, leistungsfähigen, 6-reihigen Rübenroder geerntet werden, läuft auch die anschließende Winterweizenaussaat etwas entspannter. Sehle bleibt trotzdem bei THASOS. Die Wechselweizen sind ausnahmslos E- und A-Qualitätsweizen und in den Hochertragslagen von Vallstedt (Lößlehmboden mit 85 BP) bringen die spätgedrillten Winterweizen häufig keine höheren Erträge. Sollte der Winterweizen dennoch mal ertraglich etwas besser sein, so bekommen die Qualitätswechselweizen meistens einen Zuschlag von 0,8 bis 1,5 € je dt.

Andreas Henze, Fachberatung Schleswig-Holstein, Nordost- und Südniedersachsen

So wirtschaftet Joachim Sehle:
  • Nach Zuckerrüben nur grubbern
  • Drilltermin 15.11. oder später mit etwa 400 Kö/m2
  • Bei Frühjahrsaussaat wird der Boden gepflügt, weil dieser sonst zu kalt und „untätig“ ist und zudem auch zu schlecht abtrocknet
  • Stickstoff: Andüngung: 90 kg/ha minus N-min ca. 30 kg/ha, Schoßgabe: 60 kg/ha, Ährengabe: 80 kg/ha in einer Gabe in EC 49/51, weil immer häufiger Vorsommertrockenheit auftritt. Bei genügend Bodenfeuchte Spätgabe geteilt in 40 kg N zu EC 49/51 und 40 kg N in EC 61, um den hohen genetischen Proteingehalt voll auszuschöpfen
  • Die Gesamt-N-Menge liegt auf dem Niveau des Winterweizens und wird nur bei sehr üppigen Bestandesdichten reduziert (evtl. – 30 kg N).
  • Der Fungizideinsatz erfolgt angepasst intensiv, weil die Fruchtfolgen im Betrieb und in der Region mit ca. 60 % Weizen an der Ackerfläche sehr eng sind.

WeW®=Wertgeprüft!
Wechselweizen sind Winterweizen ohne mehrwöchigen Kältereiz für den Eintritt in die generative Entwicklungsphase. Wechselweizen-Neuanmeldungen der SAATEN-UNION werden zusätzlich zur regulären Sommerweizen-Wertprüfung in einer Wechselweizenprüfung des BSA geprüft. Mit dieser Sonderprüfung wird die Anbaueignung für die Spätherbst- und Frühjahrsaussaat offiziell dokumentiert.




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