Gezielte Bestandesetablierung schafft sichere Vermarktungsware! Die konservierende Bestellung bringt auf vielen Standorten Vorteile in der Bodenbearbeitung, bei wachsenden Betrieben und im Bodenschutz. Standortspezifische Bestandesführung bei der Düngung sichert die Erträge und die Qualität. Die pfluglose Braugerstenproduktion bringt aber in einigen Situationen auch Probleme mit sich. Oft wird in den oberen Schichten des Bodens (0-10 cm ) viel organische Masse (Stroh, Organische Dünger etc) angereichert, die vor allem auf etwas feuchteren und kalten Standorten später verrotten und dann zu einem ungünstigen Zeitpunkt für die Gerste Nährstoffe, vor allem Stickstoff freisetzten. Was für die A- und E-Weizen-Produktion erwünscht ist, ist für eine Braugerste äußerst kritisch.
Hohe Proteinwerte lassen oft die Vermarktung als Qualitätsbraugerste nicht zu, zudem verdrängt ein 1 % Protein 1 % Extrakt. Diesem Problem entgegenzuwirken legten wir in der Nähe von Bamberg einen Versuch an, auf Flächen, die seit knapp 20 Jahren nicht mehr gepflügt werden. Ziel war es über eine gezielte Bestandesführung die Bestandesdichte früh Abzusichern, damit dann zum Ährenschieben der vorhandene Stickstoff über die Ertragsverdünnung eine Qualitätsbraugerste vermarktet werden kann. Eine ertragsstarke und ertragstreue Braugerste wie die Sorte Ursa liefert hierbei die Grundlage.
Auf den pfluglosen Böden ist die Erwärmung im Frühjahr oft etwas langsamer. Braugerste liebt aber ein leicht erwärmbares und gut durchlüftetes Saatbett. Durch die etwas kühleren Temperaturen im Boden, entwickelt sich die Braugerste etwas langsamer und oft leidet die Bestandesdichte und damit die Korndichte pro m² darunter. Dies führt dann zu erhöhten Proteinwerten.
Wichtig hierfür ist auch die P-Düngung und -verfügbarkeit. Nicht nur die P-Menge sondern auch die Verteilung ist wichtig. Braugerste hat das schwächste Wurzelaneignungsvermögen aller Getreidearten, steht oft am Ende der Fruchtfolge und mit den geringsten Mengen an frischen Nährstoffen. Nicht nur die Menge, sondern auch die räumliche Verteilung sind wichtig. Phosphat ist sehr unbeweglich im Boden und kommt nur bei pH-Werten ab 6,3 zur optimalen Verfügbarkeit. Im pfluglosen Anbau wird der Boden sehr wenig bewegt was zu einer schlechteren Verteilung in der Krume führt. Bei schwacher P-Versorgung sollte deshalb unbedingt im Herbst Phosphat gegeben und auf einer Tiefe von 15 cm eingearbeitet werden. Nur so kann eine räumliche und krumentiefe Verteilung sichergestellt werden. Die Mengen, die über das Stroh zurückkommen, werden oft überschätzt, wie Abb. 1 zeigt. Phospat wird zum größten Teil über das Ernteprodukt abtransportiert. Mengen die oft in flüssiger Form Unterfuß gegeben werden, sind dort oft nur eine Tropfen auf den heißen Stein.
Stickstoffdynamik und Stickstoffmenge richtig einschätzen.
Wer seine Böden länger pfluglos bearbeitet und die Fruchtfolge zusammen mit der Nmin Untersuchung im Frühjahr mit in die Bestandesplanung einfliesen lässt, gewinnt eine gute Planungsgrundlage. Im folgenden Versuch wurde untersucht, wie man die Bestandesentwicklung und die Etablierung des Braugerstenbestandes absichern kann.
In verschiedenen Jahren fiel auf, dass oft die Gerste im Stadium 21 - 30 nicht so richtig aus dem "Knick kommt". Durch kalte Witterung und Niederschläge hatten wir oft blasse, kümmerliche junge Braugerstenbestände. Dies gilt es mit einer gezielten Bestandesführung zu verbessern. Bei kalten, feuchten Bedingungen kann die Gerste über die Wurzeln kaum Nährstoffe aufnehmen und in Wachstum umsetzten. Eine kleine Gabe von 7-10 kg N über die Blätter kann diese Situation verbessern. Mehr N bringt nichts, da Gerste innerhalb von 5-8 Tagen nicht mehr als 10 kg N in Wachstum umsetzten kann. Eine höhere Gabe würde dann zwangsläufig zu einer Erhöhung der Bodenvorräte führen und somit dem Ziel Braugerste mit niedrigen Proteinwerten entgegenwirken. Besser ist es - wie auch im Versuch gezeigt - diese Maßnahme in Ausnahmesituationen im Abstand von 8 Tagen zu wiederholen. (Abb . 2)
Im Versuch wurden unterschiedliche N-Dünger miteinander verglichen und die Applikation mit Alzon flüssig S mit ergänzt. Aus anderen Versuchen wissen wir, dass eine frühe S-Gabe tendenziell die Bestandesdichte absichert bzw. erhöht. Die Ergebnisse zeigen, dass in allen Versuchsgliedern die Bestandesdichte erhöht, der Proteingehalt gesenkt wurde. Nun hatten wir ein Jahr mit generell guten Braugestenerträgen und wenig Problemen mit zu hohen Protein werten. Dies sieht in anderen Jahren nicht unbedingt so aus. (Abb 3.)
Ziel der Qualitätsbraugerstenproduktion ist es aber immer, über die Bestandesdichte und Korndichte pro m², einen hohen Ertrag zu generieren um niedrige Proteinwerte abzusichern. Für Braugerste ist aber nur der Stickstoff, der im Juni verfügbar wird, eine Gefahr, nicht der dem Bestand in der Jugendentwicklung zur Bestandesetablierung zur Verfügung steht.
Es soll nicht der Eindruck erweckt werden, dass Hochleistungssorten generell mit mehr Stickstoff zurecht kommen. Sorten wie Ursa verwerten vorhanden Stickstoff einfach besser in Ertrag und Qualität. Vielmehr geht es darum, in immer enger werdenden Produktionskorsetten das optimale unter den gegebenen Vorraussetzungen zu erreichen. Für den Kollegen Zufall bleibt somit immer weniger Spielraum, es wird das wachsame Auge des pflanzebaulichen Betriebswirtes auch in Zukunft stärker denn je gefragt sein.
Hans Koch
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