"Goldene Zukunft" - mit Biotechnologie |
08.05.2008 | Versenden | Druckversion | |
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Besonders Betriebe mit leichteren, grundwasserferneren Standorten oder mit ausgeprägter Frühsommertrockenheit sind auf Roggen angewiesen. Klimaänderung, Marktbewegung, veränderte Krankheitsbilder – für Roggenproduzenten stellt sich die existenzielle Frage: Wo geht die Reise in der Hybridroggenzüchtung hin? Was bringen uns die neuen Sorten? praxisnah erkundigte sich bei der Roggenzüchterin Dr. Barbara Kusterer. Steigender Krankheitsdruck und Klimawandel – wie werden Sie als Züchterin hierauf reagieren? Braunrost und Mehltau führten besonders im letzten Jahr zu Ertragseinbußen. In den weiter östlichen Anbauregionen des Roggens kommt der Schwarzrost mit einem noch größerem Schadensrisiko hinzu. Daher wird nach effektiven Resistenzquellen für beide Schaderreger gesucht, die kontinuierlich in das aktuelle Zuchtmaterial eingekreuzt werden. Gerade auf leichten Standorten in den traditionellen Roggenanbaugebieten gewinnen bodenbürtige Viren zunehmend an Bedeutung. Hier sind wir als Züchter gefordert! Es wird für den Landwirt zur Ertragssicherung immer wichtiger, gesunde Sorten zu wählen. Außerdem erfolgt eine Verkürzung der Züchtungsdauer – die Zeitspanne zwischen der 1. Kreuzung und der Sortenzulassung – um angemessen auf die Veränderungen reagieren zu können. Dabei kommt der markergestützten Selektion eine immer größere Rolle im Züchtungsprozess zu. Sie kann zwar nicht die praktische Züchtungsarbeit ersetzen, aber unterstützt als zusätzliches Werkzeug die Selektion des Zuchtmaterials und so werden wir effektiver. Wie stark wird sich das Merkmal Stresstoleranz in den nächsten Jahren auswirken?
Bild: Gewächshaus Hybro
Sie erwähnten Marker bzw. Markertechnologie können Sie das erklären? Da die phänotypische (visuelle) Selektion durch den Züchter vor allem bei quantitativen Merkmalen allein nicht mehr ausreicht, arbeiten wir intensiv daran, Werkzeuge für die markergestützte Selektion zu erhalten. So ist es möglich, sehr früh auf wichtige Merkmale zu selektieren.
Nennen Sie doch mal ein konkretes Bespiel: Was bringt die Markertechnologie für den Praktiker an Nutzen? Ein anderes Beispiel ist die Überprüfung der Sortenreinheit unserer Hybriden. Dieses auch als genetischer Fingerabdruck bezeichnete Verfahren wird in Routine zur Beurteilung der Linien eingesetzt. Wie wird die Zukunft der Markertechnologie aussehen? Diese Zuchtaktivitäten bezüglich der Markertechnologie sind nicht nur mit dem Know-how der eigenen Firma zu bewältigen, daher arbeiten wir intensiv mit Forschungseinrichtungen zusammen. Energieproduktion aus Biomasse – ergeben sich für Roggen neue Perspektiven? In intensiven Prüfungen sammeln wir zahlreiche Informationen über alternative Nutzungen der Roggensorten, die wir an die Praxis weitergeben. Unser breit angelegtes Zuchtprogramm erlaubt es uns, jederzeit auf alternative Nutzungen, wie z. B. unterschiedliche Schnitttermine bei der Biomasse oder neue Verwertungsmöglichkeiten beim Stroh, reagieren zu können. Der Roggen hat eine goldene Zukunft – davon bin ich überzeugt!
Wir danken für das Gespräch. |