Die Roggenpreise stimmen wieder und es lohnt sich, über einen differenzierteren Roggenanbau nachzudenken. Rechtzeitig bestellter Roggen steht ordentlich bestockt, die Ährendifferenzierung beginnt. Als „kontinentale Frucht“ profitiert Roggen von der jetzt wieder kühleren Witterung, hohe und höchste Erträge sind nicht ausgeschlossen. Wo Roggen erst spät in die Erde kam und unter Staunässe litt, sind die Bestände jetzt stärker zu stimulieren. Die Fachberater der Saaten-Union haben mit Praktikern und Versuchsanstellern über eine preisangepasst-intensive Bestandesführung nachgedacht. Hier zusammengefasst eine Einschätzung als Anregung für Ihre Planung:
- Das theoretische Optimum der N-Düngung erhöht sich bei den aktuellen Preis/Kostenrelationen um etwa 10 kg ha, zumal in Beständen mit schwacher Wurzelausbildung. Wenn Sie bei der Startgabe noch vorsichtig waren, sollten Sie jetzt bis spätestens EC 30 eine ergänzende 1b-Gabe in schnellwirksamer Nitratform einplanen. Auf Standorten mit geringerer Ertragserwartung - bis etwa 60 dt/ha - kann bis Schossbeginn die gesamte Stickstoffmenge mit ca. 120 kgN/ha abgeschlossen werden. Mittlere und bessere Standorte lohnen eine Anschlussgabe bis spätestens Ende Schossen(z.B. 60+40+40 kgN/ha).
- Wo keine organischen Dünger ausgebraucht werden, ist „frisches“, wasserlösliches Phosphat vorteilhaft für eine kräftige Bewurzelung und Jugendentwicklung. Wo nicht schon die Andüngung mit Mehrnähstoffdünger erfolgte, sollte dieser bei der 1b-Gabe eingesetzt werden. Alternativ kann in wenig wüchsigen Beständen die erste Spritzmaßnahme mit einer P2O5-Blattdüngung kombiniert werden (z.B. Wuxal P oder Complesan).
- Zurückhaltung ist dagegen bei Wachstumsreglern und Herbiziden geboten. Diese Maßnahmen greifen massiv in die Ertragsphysiologie der Pflanze ein und sind wie bisher ausschließlich an den pflanzenbaulichen Erfordernissen zu orientieren, die Intensität ist nicht preisabhängig!
- Anders bei den Fungiziden: 10-jährige Inputversuche der Saaten-Union empfehlen hier eindeutig eine höhere Intensität. War bei 8 €/dt eine Maßnahme gerade kostendeckend, so sind jetzt häufig Doppelbehandlungen hoch wirtschaftlich, insbesondere empfehlen wir diese für unsere Schwerpunktsorte ASKARI. Die Ausbringungstermine passen auch gut zu einer zweigeteilten WR-Strategie, die wir bei hoher Ertragserwartung für die Sorten RASANT, FUGATO und AMATO empfehlen.
- Nach der kühlen Witterung sind Virusschäden dieses Frühjahr nicht sehr wahrscheinlich. Wo sich in den nächsten Wochen dennoch Wuchsdepressionen zeigen, sollten Sie den Ursachen auf den Grund gehen. Infrage kommen in engen Roggenfruchtfolgen Stock- oder Stängelälchen, die häufig zu zwie-belartigen Verdickungen an der Stängelbasis und verdrehten Blättern führen. Verzwergte, stark bestockte Einzelpflanzen hintereinander sind eher typisch für den Befall mit Weizenverzwergungsvirus (WDV), vielerorts das Hauptproblem im Roggenjahr 2007. Gefährdet sind insbesondere Frühsaaten und pfluglos bestellte Schläge. Bei Befall sprechen Sie mit Ihrem PS-Berater über Vorbeugungsmaßnahmen.
Viel Erfolg mit ASKARI, RASANT, AMATO, FUGATO und FESTUS
Die Fachberater der Saaten-Union - i.V. Sven Böse
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