Mehr und mehr Landwirte wenden sich wieder dem Hafer zu. Der Grund: Die hohe Arbeitsbelastung auf den Betrieben und die politischen Rahmenbedingungen mit Bevorzugung von extensiveren Fruchtarten. Erhebungen von Praxiserträgen u.a. aus Schlagkarteien zeigen, dass z.T. deutliche Mehrerträge gegenüber den z. Zt. angebauten Braugersten realisiert werden. Da bei Hafer positive Vorfruchtwirkungen und geringere Anbaukosten hinzukommen, liegen die "echten" Deckungsbeiträge trotz geringerer Erzeugerpreise auf dem Niveau von Braugerste. Abwärtstrend gestoppt Seit 3 Jahren stabilisiert sich der Haferanbau in Deutschland auf rund 240 000 ha. Dabei sind regional 2 Anbauschwerpunkte auszumachen. Die Hälfte der Fläche steht im Süden, vornehmlich in Bayern und Baden-Württemberg. Des weiteren wird Hafer im Nordwesten der Republik stärker angebaut. Auf den kühl-maritimen Lagen Norddeutschlands und den süddeutschen Höhenlagen mit ausreichend Niederschlägen gedeiht der Hafer besonders gut. | Gründe für den Haferanbau: - Arbeitswirtschaft
Günstige Arbeitsverteilung in Fruchtfolgen mit hohem Wintergetreideanteil Geringer Akh-Bedarf -
Hohe Wirtschaftlichkeit Geringe Produktionskosten (durch Zuchtfortschritt, Nährstoffaneignung, geringe Saatbettansprüche) Vertragsanbau Schälhafer Förderprogramme z.B. MEKA, KULAP -
Fruchtfolge Gesundungsfrucht -
Vermarktungsmöglichkeiten Frachtnahe Verarbeitungsbetriebe Pferdefutter | Die Sorte bestimmt die Qualität Nach wie vor arbeitet die Haferzüchtung der Saaten-Union mit hoher Intensität, was sich auch in jährlichen Neuzulassungen widerspiegelt. So stammen von 32 Hafersorten in der beschreibenden Sortenliste allein 12 aus der Entwicklung der Saaten-Union. Neben der weiteren Verbesserung der agronomischen Eigenschaften wird besonders viel Wert auf Qualität gelegt. Dabei spielen die Schälmühleneignung und neuerdings auch gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe (z.B. b-Glucan) eine herausragende Rolle (s. auch praxisnah Nr. 1/02) Seit Jahren bestimmt die ertragstreue Sorte Jumbo den Haferanbau in Deutschland. Aber auch neuere Entwicklungen sind auf dem Vormarsch. Je nach Gewichtung der einzelnen Kriterien kommen ertragreiche Sorten wie z.B. Aragon oder besonders strohstabile Sorten wie z.B. Neklan zum Zuge. Die neue Sorte Nelson hat mit der Note 9 die höchste TKM als einzige der zugelassenen Sorten (s. Übersicht). Nasser Herbst 2002 Die hohen Niederschläge im Oktober/November verursachten vielfach schlechte Bodenstrukturen, so dass die Weizenaussaat nicht auf allen dafür vorgesehenen Standorten durchgeführt werden konnte. Auf diesen Flächen kommt am ehesten Hafer in Frage, da andere Frühjahrskulturen wie Sommergerste, Körnermais oder gar Erbsen Bodenverdichtungen aus dem vergangenen Herbst deutlich schlechter tolerieren und höhere Ansprüche an das Saatbett stellen. Hafer verlangt eine möglichst frühe Saat, da durch die Vernalisation (Kältereiz) das Rispenschieben vorverlegt und die Kornfüllung verbessert werden kann. Ausschlaggebend für Ertrag und Qualität ist die Jahreswitterung, wobei die Sortenrelationen erhalten bleiben. Im Anbau ist Hafer relativ einfach zu handhaben, das ist beispielhaft erläutert am Seehof, landwirtschaftlicher Betrieb der Südwestdeutschen Saatzucht Späth, einem der 7 Gesellschafter der Saaten-Union. Martin Munz, Fachberatung Baden-Württemberg
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