Unabhängig von Nutzungsrichtung und Sortentyp der Leguminose dienen Ackerbohnen in der Ration als Protein- und Energielieferanten verschiedener landwirtschaftlicher Nutztiere. Tanninhaltige Ackerbohnen haben natürlich geschützte Proteine, die speziell bei der Milchviehfütterung von Vorteil sind. Gezielt für die Fütterung von Schweinen und Geflügel wurden neue Sortentypen mit angepassten Qualitäten gezüchtet.
Inhaltsstoffe von Ackerbohnen
Ackerbohnen enthalten vor allem Protein und Stärke, deren Anteile von Sorte, Standort und Anbaujahr abhängen. In Tabelle 1 sind aus neueren Untersuchungen Durchschnittsgehalte für wertbestimmende Inhaltsstoffe im Vergleich zu Sojaextraktionsschrot und Weizen zusammengestellt.
Der Mittelwert des Rohproteingehaltes von Ackerbohnen liegt etwa zwischen Weizen und Sojaextraktionsschrot, der Stärkegehalt näher am Wert des Weizens.
Für den Futterwert sind neben dem Rohproteingehalt dessen ernährungsphysiologische Qualität und der sich aus der Verdaulichkeit der Nährstoffe ergebende energetische Futterwert von Bedeutung. Monogastrier (Schweine, Geflügel) und Wiederkäuer sind unterschiedlich zu beurteilen.

Die Kennwerte von Ackerbohnen, Sojaextraktionsschrot und Weizen werden in den Tabellen 2 und 3 differenziert dargestellt.
Proteinqualität für Monogastrier
Die Proteinqualität wird in der Schweine- und Geflügelernährung durch die Gehalte an den wichtigsten Aminosäuren charakterisiert. Beim Schwein wird zusätzlich die praecaecale Verdaulichkeit der Aminosäuren berücksichtigt. Die für die Mischungsberechnungen erforderlichen Angaben u. a. zu den verdaulichen Aminosäuren finden sich in der Tabelle 2.


Ackerbohnen weisen höhere Aminosäuregehalte auf als Weizen und niedrigere als Sojaextraktionsschrot. Wie alle heimischen Körnerleguminosen enthalten Ackerbohnen wenig schwefelhaltige Aminosäuren (Methionin + Cystin).
Getreide hat zwar insgesamt geringere Aminosäurengehalte, in Relation zu Lysin ist jedoch der Gehalt an den schwefelhaltigen Aminosäuren günstiger zu beurteilen. Besonders Methionin + Cystin der Ackerbohnen ist deutlich niedriger verdaulich als bei anderen Futtermitteln (s. Abb. 1).
Weißblühende Sorten weisen bedingt durch Tanninfreiheit erheblich höhere Aminosäurenverdaulichkeiten als buntblühende Sorten auf.
Proteinbewertung bei Milchkühen
In der Fütterung von Milchkühen sind bezüglich der Proteinversorgung folgende Kennwerte von Bedeutung:
• unabbaubares Rohprotein (UDP)
• nutzbares Rohprotein am Dünndarm (nXP)
• Ruminale N-Bilanz (RNB)
Insbesondere in der Fütterung von Hochleistungskühen sind Futtermittel mit höherer Nährstoffbeständigkeit erwünscht. Rohprotein und Stärke buntblühender Ackerbohnen sind aufgrund der Tannine pansenbeständiger und wirken dem sonst relativ schnellen Abbau durch die Mikroorganismen entgegen.
Die für die Rationsgestaltung erforderlichen Kennwerte für Protein und Kohlenhydrate sind der Tabelle 3 zu entnehmen.
Futterenergie
Für den energetischen Futterwert sind neben den Nährstoffgehalten deren Verdaulichkeiten maßgebend. Insbesondere das Rohprotein ist bei weißblühenden Sorten höher verdaulich als bei buntblühenden. Für Schweine ergeben sich hieraus höhere ME-Gehalte.
Bei Geflügel und Wiederkäuern bleibt bei der energetischen Berechnung das verdauliche Rohprotein unberücksichtigt. Im Geflügelbereich dürfte dies jedoch zu erheblichen Fehleinschätzungen führen. In Fütterungsversuchen an Broilern lagen bei einer begrenzten Zahl von Sorten die ME-Gehalte von buntblühenden gegenüber weißblühenden Sorten um bis zu rund 20 % niedriger (Römer, 1998).
Mykotoxine
Der Wassergehalt der Ackerbohnen sollte bei der Einlagerung maximal 12 % betragen. Da die Feuchtegehalte der Erntepartien stärker streuen, ist der Wert durch eine ausreichende Anzahl an Messungen abzusichern. Einer gesundheits- und leistungsmindernden Toxinbildung durch Schimmelbakterien wird so vorgebeugt.
Einsatzempfehlungen
Für den Einsatz von Ackerbohnen in der Futterration sind tier- und futterspezifische Faktoren ausschlaggebend. Die Nutztierart, die Leistungsrichtung und -höhe, aber auch die Möglichkeiten insbesondere zur Aminosäurenergänzung bestimmen die Anteile von Ackerbohnen in der Futterration.
Ackerbohnen-Tannine bringen in der Wiederkäuerernährung Vorteile durch Verminderung der ruminalen Proteinabbaubarkeit. Für Geflügel und Schwein sind wegen der tierartspezifischen besseren Protein- bzw. Aminosäurenverdaulichkeit tanninfreie weißblühende Sorten vorzuziehen. Auch für den verstärkten Einsatz von Ackerbohnen in der Legehennenfütterung ohne Legeleistungsminderung gibt es mit den vicinarmen Sorten inzwischen eine Lösung.
Die in Tabelle 4 zusammengestellten Empfehlungen beruhen auf Literaturangaben sowie Praxiserfahrungen und tragen den verschiedenen Aspekten Rechnung. Sie umspannen relativ weite Entscheidungsbereiche für den jeweils sorgfältig zu beurteilenden Einzelfall. Hierbei ist außerdem zu berücksichtigen, ob gleichzeitig auch noch andere Körnerleguminosen in der Futterration eingesetzt werden.

Ähnlich wie bei anderen Futtermitteln unterliegen die den Futterwert bestimmenden Inhaltsstoffe Schwankungen. Bei Verfütterung größerer Mengen sollten deshalb bei einer LUFA Inhaltsstoffuntersuchungen vorgenommen werden, die heute über das NIRS-Verfahren schnell und kostengünstig realisierbar sind.
Autor: Dr. Jürgen Weiß, Kassel
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