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Die Texte, die Sie in unserem Archiv finden, wurden in den Vorjahren verfasst, sind also hinsichtlich ihres Erstelldatums nicht mehr brandaktuell. Viele Texte haben aber nichts an Fachaktualität verloren.

Bei einigen Beiträgen werden jedoch zum Beispiel Sorten, Ausprägungen oder Preise genannt, die nicht mehr den heutigen Marktbedingungen entsprechen. Wir bitten Sie, dies besonders dann zu berücksichtigen, wenn Sie die Informationen weiterverwenden möchten.

Braugerstenzüchtung - Schritt für Schritt voran

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Die Züchtung von ertragreichen, gesunden und qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln ist seit Jahrtausenden eine wichtige Grundlage der menschlichen Ernährung und hat somit entscheidend zur Entwicklung der menschlichen Kultur beigetragen. Der Braugerste kommt dabei, als ein Rohstoff des Bieres, eine besondere Stellung in der weltweiten Nahrungsmittelproduktion zu. Die klassischen Zuchtziele Ertrag, Qualität und Resistenz sind auch bei der Braugerste nach wie vor aktuell. 

Mit den gestiegenen Anforderungen des nationalen und internationalen Marktes sowie den neuen Möglichkeiten in der Züchtung haben sich die Ziele innerhalb dieser Merkmalsgruppen teilweise geändert. Der Weg bis zur Zulassung einer neuen Sorte ist jedoch nach wie vor lange und teilweise beschwerlich.

10 Jahre früher Weichen stellen
Genetische Variabilität ist eine Grundvoraussetzungen für eine sinnvolle züchterische Selektion und damit für den Zuchtfortschritt. Die Erzeugung der erwähnten Vielfalt wird durch die Kreuzung zwischen verschiedenen Elternlinien realisiert. Der Züchter verfolgt damit das Ziel, die angestrebten Eigenschaften Ertrag, Qualität und Resistenz, die auf mehrere Eltern verteilt sind, miteinander zu verbinden. Dabei ist die sorgfältige Auswahl der Kreuzungseltern von großer Bedeutung. Die Wahl der Ausgangslinien wirkt sich erst 10 bis 15 Jahre später auf Erfolg oder Misserfolg aus; mit anderen Worten ca. ein Jahrzehnt vor dem Endprodukt Sorte werden die Weichen gestellt. 

Stabil in jeder Umwelt
Ertrag ist mittlerweile auch bei Braugerste eines der wichtigsten Zuchtziele, denn nur ertragreiche Braugersten sichern die Konkurrenzfähigkeit des Sommergerstenanbaus im Vergleich zu anderen Kulturen. Seit einigen Jahren stehen dem Landwirt qualitativ hochwertige Braugersten mit dem Ertragsniveau von Futtergersten zur Verfügung. Der früher existierende Zusammenhang zwischen Brauqualität und niedrigerem Ertrag ist in den neuen Sorten (z.B. Annabell, Danuta) gebrochen! 

Um der internationalen Bedeutung von Braugerste gerecht zu werden, wird die reine Ertragszüchtung in den Zuchtprogrammen von Ackermann/Nordsaat durch die Auslese auf eine ausgedehnte ökologische Streubreite ergänzt. Im Weltmalzmarkt werden Sorten nachgefragt, die aus möglichst vielen Regionen angeboten werden und die dann auch eine gleichbleibende Qualität haben sollen. Erreicht wird diese breite Anpassungsfähigkeit indem schon sehr junges Zuchtmaterial über Europa verteilt (Nordfrankreich, Schottland, Nord-, Ost- und Süddeutschland) geprüft wird. Danach folgt eine intensive Ertragsprüfung an 10-12 Orten in Mitteleuropa und auch bei Partnern in Nord-, Süd- und Osteuropa sowie in Südamerika.

Verarbeiter fordern einheitlich hohe Qualität
Die Brauqualität von Gersten wird durch eine Vielzahl von Eigenschaften beschrieben und nur das harmonische Zusammenspiel all dieser Qualitätskomponenten ermöglicht den Erfolg einer Sorte. Dadurch steht der Züchter im Bereich Qualität vor der Aufgabe kornphysikalische Eigenschaften wie Sortierung, Tausendkorngewicht und Kornausbildung mit mälzungs- und brautechnologischen Faktoren wie niedrige Eiweißgehalte, hohe Zellwandlösung und ausgewogene Enzymaktiviäten) miteinander zu kombinieren.

In der Qualitätszüchtung konnten in den letzten Jahren viele Zuchtziele verwirklicht werden, vor allem im Hinblick auf die Extraktausbeuten und die Endvergärungsgrade. Mittlerweile gibt es auch Sorten mit sehr ausgewogenem Qualitätsprofil, jedoch ist das Ende des Fortschrittes noch nicht erreicht. Auch bei der Qualität ist eine große Anpassungsfähigkeit an verschiedene Umweltbedingungen nötig. Mit "Umwelt" ist hier nicht nur der Acker gemeint. Ebenso wichtig sind die Reaktionen einer Sorte auf verschiedene Malz- und Brauverfahren. So lässt sich beispielsweise durch eine verkürzte Mälzungsdauer Energie und Wasser einsparen.

Die Grundlage der Qualitätszüchtung bei Ackermann/Nordsaat bildet das eigene Qualitätslabor, in dem die Zuchtstämme aus den verschiedenen Anbauorten in Europa analysiert werden.

Breite genetische Basis für Resistenzen
Die Resistenzzüchtung ist bei allen Kulturarten eine niemals endende Geschichte und ist damit vor immer neuen Aufgaben gestellt. Nicht nur das Sortenspektrum ist flexibel, auch die Verursacher von Krankheiten wie z.B. Pilze und Viren verändern sich im Sinne der Evolution ständig. Resistenzen können durch neue Erregerrassen durchbrochen werden und damit nicht mehr wirksam sein. Es war, ist und wird immer ein Zuchtziel sein, Sorten zu entwickeln, die über eine breite genetische Basis von Resistenzen gegen alle wichtigen Krankheiten verfügen. Vor Überraschungen ist kein Züchter sicher. So treten seit einigen Jahren an Gersten in ganz Europa nichtparasitär bedingte Blattflecken auf, die neben dem negativen optischen Bild eine Ertragsreduktion mit sich bringen können. Durch die Beteiligung an Forschungsprojekten, die Suche nach neuen, geeigneten Kreuzungseltern und die breit angelegte Selektion wird die Züchtung gegen diese neue Krankheit vorangetrieben. 

Dr. Lissy Kuntze (Nordsaat Saatzucht GmbH) und Dr. Claus Einfeldt (Saatzucht Ackermann)




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