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Die Texte, die Sie in unserem Archiv finden, wurden in den Vorjahren verfasst, sind also hinsichtlich ihres Erstelldatums nicht mehr brandaktuell. Viele Texte haben aber nichts an Fachaktualität verloren.

Bei einigen Beiträgen werden jedoch zum Beispiel Sorten, Ausprägungen oder Preise genannt, die nicht mehr den heutigen Marktbedingungen entsprechen. Wir bitten Sie, dies besonders dann zu berücksichtigen, wenn Sie die Informationen weiterverwenden möchten.

Robuste Rapssorten für erfolgreiche Mulchsaat

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Die "unbezahlbare" Basis für hohe Erträge bei Raps sind wie bei keiner anderen Marktfrucht ackerbauliches Geschick und Sorgfalt bei der Aussaat. Moderne Bodenbearbei-tungssysteme ergänzen die klassische Pflugsaat durch Mulch-saatverfahren unterschied-lichster Bearbeitungstiefe und Bearbeitungsintensität. Nationale Cross-Compliance-Standards der EU-Agrarpolitik können zusätzliche Impulse für die pfluglose Bodenbearbeitung bringen. Andreas Baer, Norddeutsche Pflanzenzucht/Rapool-Ring, erläutert einige Faustregeln bei der Mulchsaat.

Zeit und Geld kann durch Mulchsaat eingespart werden, aber nur dann, wenn die Qualität der Bearbeitung nicht abnimmt und zu Boden und Standort passt. Winterraps hat eine erstaunliche Anpassungs- und Integrationsfähigkeit, dennoch gilt die alte Regel: Der Raps braucht das bestmögliche Saatbett. "6 Faustregeln" für eine reduzierte bzw. flachere Bodenbearbeitung wie sie Prof. Dr. K. Sommer und Dr. Voßhenrich (FAL, Braunschweig) formuliert haben, sollten besondere Berücksichtigung finden:
1. Keine Schadverdichtungen im Unterboden
2. Guter Bodenzustand mit gutem pH-Wert
3. Tongehalt mindestens 10 %
4. Grund- und stauwasserfreie Standorte
5. Humusgehalt und Strohmanagement in Ordnung und
6. "Fingerspitzengefühl" des Betriebsleiters.

Weitere wesentliche Kenngrößen für Mulchsaatverfahren sind nach G. Stemann FH Südwestfalen, Agrarwirtschaft Soest die Bearbeitungszeiträume und die Bearbeitungstiefe. Je Tonne Stroh Ernterest pro Hektar hat sich eine Bearbeitungstiefe von ca. 1,5 cm bewährt. Bei angenommenen 8 bis 10 Tonnen Stroh/ha ergibt sich eine notwendige Bearbeitungstiefe von 12 bis 15cm. Mit 2 bis 3 Überfahrten sollte das Stroh stufenweise in diese Tiefe eingearbeitet werden, wobei für eine günstige Förderung der Strohrotte idealerweise 25 bis 30 Tage von der Ernte bis zur Rapsaussaat zur Verfügung stehen sollten. 

Robuste Rapshybriden bei Mulchsaat bewährt
Parallel zur Entwicklung der Mulchsaatsysteme hat sich in den letzten Jahren auch bei Winterraps das Sortenspektrum geändert. Während sich früher lange Liniensorten wie Capitol und Wotan durch Wüchsigkeit und Robustheit für dieses Segment auszeichneten, sind es heute mittellange und lange Liniensorten, die optimalerweise noch durch eine DMM-Zusatzbeizung in ihrer Jugendentwicklung gefördert werden. Darüber hinaus haben sich gerade Hybridsorten durch ihre besondere Wüchsigkeit und Vitalität bewährt. Verschiedene Untersuchungen haben die höhere Spross- und Wurzelmasseentwicklung der Hybridsorten im Herbst dokumentiert. Dadurch ergibt sich eine relativ höhere Spätsaatverträglichkeit oder ein besseres Durchsetzungsvermögen bei Mulchsaaten. Durchsetzungsvermögen bedeutet einerseits das "kritische Stadium nach dem Feldaufgang" möglichst schnell zu durchwachsen, andererseits unterirdisch den Boden möglichst gut zu durchwurzeln.

Vergleichende Tensiometermessungen in 1,20 m Bodentiefe des Instituts für angewandte Agrarökologie in Groß Lüsewitz belegen für die untersuchte Hybridsorte eine deutlich höhere Saugspannung im Wurzelbereich und auch geringere Nitratmengen im Unterboden, was auf ein verbessertes Aneignungsvermögen von Wasser und Nährstoffen schließen lässt. Mehrjährige Exaktversuche der Landesforschung Mecklenburg-Vorpommern bestätigen gerade den Vorteil von Rapshybriden auf Roggen- oder Grenzstandorten. Auf den "leichteren" Standorten erreichen frohwüchsige Sorten offensichtlich die stabileren Erträge.
Nach eigenen Beobachtungen (Abb. 1) sollten die robusten Liniensorten eher für die früheren Saattermine oder die milderen Böden ausgewählt werden, weil ihnen dann eine längere Entwicklungszeit vor Winter zur Verfügung steht. Hybridsorten sollten bei frühen Saatterminen sehr dünn gesät werden oder auf den schwierigeren Böden zum Einsatz kommen. Bei mittleren oder späteren Saatterminen in der Mulchsaat bieten Hybridsorten mehr Entwicklungssicherheit.

"Je später die Rapsaussaat, desto tiefer die Bodenbearbeitung"
Diese These von D. Dölger (Hanse Agro, Gettorf) macht deutlich, dass Bodenbearbeitungsverfahren nicht statisch, sondern individuell gestaltet werden müssen. Frühe Saaten können demzufolge eher eine flachere Bearbeitungstiefe tolerieren, weil genügend Entwicklungszeit zur Verfügung steht. 

Die fünfjährigen Mulchsaatversuche von Dr. Bischoff (Bernburg) zeigen (Abb. 2), dass sowohl Liniensorten als auch Hybridsorten mit gelungenen Mulchsaaten vergleichbar gute Erträge erzielen wie bei der klassischen Pflugsaat. Im Trockengebiet der Magdeburger Börde kommen zusätzlich weitere Aspekte der wasserschonenden Bearbeitung zum Tragen, sowie positive Effekte der Einzelkornsaat, die grundsätzlich die Bedeutung der Rückverfestigung nach der Aussaat unterstreichen. 

In züchtereigenen Versuchen (Fotos) wird die Reaktion von Sortenstämmen auf verschiedene Bearbeitungsverfahren simuliert. Neben der klassischen Pflugsaat werden die tiefe und die flache Mulchsaat verglichen. Im ersten Versuchsjahr 2002/03 konnte beobachtet werden, dass die Ertragsunterschiede in der Pflugvariante geringer waren als in der tiefen Mulchsaat und deutlich geringer als in der flachen Mulchsaat. Einzelne Sorten zeigten jedoch zwischen den Bearbeitungsvarianten kaum Ertragsunterschiede. Dies erlaubt die These, dass es durchaus Sortenunterschiede bei der Eignung für Mulchsaaten gibt. Die Versuche werden fortgesetzt.

Andreas Baer, 
Norddeutsche Pflanzenzucht/Rapool-Ring
Tel.  04351/7360




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