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Lupinen, die Sojaalternative!

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Wenn wir aktuelle Berichte über Körnerleguminosen lesen, dann ist meistens nur von Erbsen und Ackerbohnen die Rede. Noch immer existiert verbreitet - leider auch bei Wissenschaftlern - die Meinung, Lupinen seien "Exoten", die nur von einem Häuflein von Enthusiasten angebaut würden. Die Entwicklung der Anbauflächen zeigt jedoch, dass der Wert der Lupinen in der Landwirtschaft von alters her hoch geschätzt wurde und auch noch wird, allerdings mit regionalen Schwerpunkten.   

Die Lupinenfläche im Deutschen Reich wird für das Jahr 1938 mit 116.000 ha angegeben. Im Gebiet der ehemaligen DDR betrug die Fläche 1990 rund 130.000 ha, davon 100.00 ha zur Produktion von Grünfutter im Zweitfruchtbau. Im gleichen Jahr wurden im Alt-Bundesgebiet nur 13.500 ha Lupinen angebaut. Seit der Wende liegt die Anbaufläche von Körnerlupinen in Deutschland zwischen 45.000 und 20.000 ha und war damit generell höher, zeitweise sogar doppelt so hoch wie die von Ackerbohnen. Weltweit gesehen befindet sich die größte Anbaufläche in Australien (rund 1 Mio. ha). Dort werden überwiegend Blaue Lupinen angebaut. 

Nahrungsmittel für Mensch und Tier
Neben der bekannten bodenverbessernden Wirkung sind vor allem die Korninhaltsstoffe, die Lupinen sowohl für die Tierfütterung als auch für die menschliche Ernährung interessant machen. Mit 35 bis 45 % Protein im Korn (je nach Lupinenart) sind Lupinen im Vergleich zu Ackerbohnen und Erbsen echte Eiweißlieferanten, die praktisch keine Stärke enthalten. Somit bestehen vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Bereich der Tierfütterung. 

Lupinen besser als Soja?
Hersteller von Nahrungsmitteln, die auf der Suche nach Rohstoffen sind, die garantiert nicht gentechnisch verändert wurden ("GVO-frei"), aber ähnliche Eigenschaften haben wie die bisher verwendeten Sojaprodukte, haben inzwischen die Lupine "entdeckt". Es zeigte sich, dass viele funktionelle Eigenschaften (wie beispielsweise das Wasserbindungsvermögen) und andere Merkmale, wie Geschmack und Farbe, besser als die von Soja sind. Inzwischen gibt es Lupinenmehle, die als Zusatz vor allem in Back- und Teigwaren eingesetzt werden, Lupinen-Proteinisolate, die unter anderem in Wurstwaren eingemischt werden und Lupinenprodukte wie Lupinen-Tofu, Fertiggerichte und Lupinenkaffee. Dabei ist die Verwendung der Lupinen für die menschliche Ernährung nichts Neues. Bereits vor über 2000 Jahren waren Lupinen sowohl in der Mittelmeerregion als auch im Reich der Inkas in Südamerika als wichtiges eiweißlieferndes Nahrungsmittel bekannt. Traditionell isst man - bis heute - in Portugal, Spanien und Italien gequollene Lupinenkörner als Snack.

Mehr Ertragssicherheit mit modernen Sorten
Für den Landwirt sind neben den Möglichkeiten der Verwertung des Erntegutes natürlich auch Fragen der Ertragsfähigkeit und der Ertragssicherheit von Interesse. Die potentiell höchsten Erträge lassen sich auf guten Böden und in Lagen mit langer Vegetationszeit mit Weißen Lupinen erzielen: 30 bis 50 dt/ha. Das geringste Ertragspotential haben die Gelben Lupinen, die aber optimal an ärmste Sandböden angepasst sind. Erträge von 15 bis 20 dt/ha sind dort mit den Erträgen alternativer Kulturpflanzen absolut konkurrenzfähig. Die Blauen Lupinen, von denen es erst seit 1997 Sorten zur Körnerproduktion in Deutschland gibt, liegen ertraglich bei 20 bis 40 dt/ha, je nach Standort und Sorte. Alle Lupinenarten - vor allem Gelbe und Weiße Lupinen - zeichnen sich durch gute Stand­festigkeit und Platzfestigkeit der Hülsen aus, die eine problemlose Ernte ermöglichen. Bei Blau­­lupinen sind diese Merkmale bei den meisten Sorten noch etwas schlechter ausgeprägt.

Anthracnose ist im Griff
Seit 1995 macht uns die samenübertragbare Pilzkrankheit "Anthracnose" zu schaffen. In den ersten Jahren ihres Auftretens, als in Deutschland überwiegend Gelbe Lupinen angebaut wur­den, sorgte sie für eine deutliche Abnahme der Lupinenanbaufläche, weil es sehr schwierig war, gesundes Saatgut zu produzieren. Nach Zulassung der ersten bitterstoffarmen Sorten hat sich die Blaue Lupine im Anbau durchgesetzt, weil sie im Vergleich zu Gelben und Weißen Lupinen trotz Anthracnosebefalls noch befriedigende Erträge bringt. Inzwischen sind aber Beizmittel und Fungizide vorhanden, die es ermöglichen, befallsarmes Saatgut zu produzieren und Ertragsverluste (bei allen drei Lupinenarten!) zu vermeiden, wenn auf Anthracnose untersuchtes, zertifiziertes und gebeiztes Saatgut ausgesät wird.

Einer Schätzung zufolge beträgt das jährliche Anbauflächenpotential in Deutschland 600.000 ha, die Anbaufläche des Jahres 2001 wird aber mit nur 30.000 ha angegeben. Unter Berücksichtigung der oben genannten Vorteile der Lupinen sollte eine deutliche Ausweitung dieser Fläche möglich sein! 

Dr. Peter Römer, Südwestsaat GbR




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