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Die Texte, die Sie in unserem Archiv finden, wurden in den Vorjahren verfasst, sind also hinsichtlich ihres Erstelldatums nicht mehr brandaktuell. Viele Texte haben aber nichts an Fachaktualität verloren.

Bei einigen Beiträgen werden jedoch zum Beispiel Sorten, Ausprägungen oder Preise genannt, die nicht mehr den heutigen Marktbedingungen entsprechen. Wir bitten Sie, dies besonders dann zu berücksichtigen, wenn Sie die Informationen weiterverwenden möchten.

Sortenwahl Mais: Qualität oder Qual?

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Es reicht heute nicht mehr, einfach die leistungsfähigsten Sorten mit hohem Energiegehalt auszuwählen. So kommt man zwar zu guten Sorten, jedoch nicht unbedingt zu den Besten. Denn neben den Anbaueigenschaften ist auch das Abreifeverhalten unter die Lupe zu nehmen und Spitzenbetriebe benötigen differenzierte Angaben zur Verdaulichkeit.

Weil es unmöglich ist, alle Wünsche in einer Sorte unterzubringen, sollte sich die Sortenwahl auf die Minimumfaktoren eines Betriebes einstellen. Allroundsorten wie Magister werden ergänzt durch Spezialisten mit Eignung für unterschiedliche Betriebssituation. Einige Beispiele hierzu:

1. Flächenknappe Betriebe: Diese haben in der Regel auch gleichzeitig hohe Flächennutzungskosten. Zu achten ist hier in erster Linie auf höchste Energieerträge, die Energiekonzentration wird über das Kraftfutter optimiert. Weil herausragend massenreiche Sorten wie etwa Anjou 292 (Korn- u. GTM-Ertrag "9") keine hohen Stärkegehalte aufweisen können, werden sie mit Mais-Kraftfutter ergänzt.

2. Trockenlagen: Gefragt sind hier Sorten mit sicherer Einkörnung, wenig Beulenbrand und einer langsam abreifenden Restpflanze wie beispielsweise Santiago. So ist auch bei schneller Abreife eine ausreichend verdichtete, bekömmliche Silage ohne Schimmel und Fehlgärung gewährleistet. Je nachdem, ob die Trockenheit eher die Restpflanzen- oder die Kolbenentwicklung begrenzt, kann der Stärkegehalt auf Trockenstandorten extrem schwanken, die Fütterung muß sich hierauf flexibel einstellen.

3. Kalte Grenzstandorte: Robuste, frühreife Maissorten mit hohem Stärkegehalt wie die Neuzulassung Abraxas oder auch Goldoli sind hier erste Wahl. Soll die Flächenleistung in der kurzen Vegetationsperiode voll ausgenutzt werden, kann die Bestandesdichte gegenüber Trockenlagen um bis zu 30.000 Pfl/ha gesteigert werden - nicht jedoch bei später Saat oder unkontrollierter N-Nachlieferung.

4. Grünlandbetriebe: Bei der Grassilierung wird ein Teil der Eiweißfraktion in Aminosäuren und Ammoniak gespalten. Dadurch stehen mehr fermentierbare Stickstoffverbindungen zur Verfügung, die nur bei ausreichender Verfügbarkeit schnell abbaubarer Kohlenhydrate für das Mikrobenwachstum genutzt werden können. Als Ergänzung zu hochverdaulichen Grassilagen etwa aus "Tetrasil" eignen sich kornbetonte Kompaktsorten, die "schnelle" Stärke kommt z.B. aus Roggen. Grünlandbetriebe an der Küste und in Höhenlagen bevorzugen sicher ausreifende Qualitätssorten wie Ravenna. Massenreichere Sorten wie Monitor sollten gezielt über höheren Schnitt im Stärkegehalt angehoben werden.

5. Intensive Bullenmast: Bullen müssen bei 1500 g Zunahme täglich lediglich ca. 300 g Protein bilden, ein Drittel der Proteinleistung der Milchkuh, außerdem ist die Futteraufnahme nur etwa halb so hoch. Wichtig ist deshalb in erster Linie ein hoher Stärkegehalt, die Bypass-Stärke spielt eine untergeordnete Rolle. 11 MJ ME sind mit kolbenstarken Sorten wie Effekt heute zu erreichen, Hochschnitt oder auch LKS ermöglichen weitere Energiesteigerungen!

6. Maisbetonte Rationen: Sehr maisbetonte Rationen laufen Gefahr, bei mehr als 30 % Stärke und Zucker in der Gesamtration den Pansen der Kuh zu übersäuern. Das Gleichgewicht zwischen schnell und langsam abbaubarer Energie ist gestört, die säureliebenden Mikroben gewinnen die Oberhand, Stoffwechselstörungen und eine geringere Verdaulichkeit der Gesamtration sind die Folge!
Sollen im Höchstleistungsbereich täglich 25 - 30 kg TM mit 7 MJ NEL / kg TM umgesetzt werden, funktioniert dies wiederkäuergerecht nur über eine hohe Verdaulichkeit der Zellwände. In klimatisch günstigeren Anbaulagen mit von Natur aus höheren Kolbenanteilen ist daher in sehr maisbetonten Rationen weniger auf höchste Stärkegehalte zu achten (s.a. Tabelle 1, Beitrag "Mehr Milch aus Bypass-Stärke"). Hier sind ligninarme Sorten wie Attribut ideal. Nicht umsonst ist Attribut seit zwei Jahren die erfolgreichste Silomaissorte Frankreichs, die höhere Zellwandverdaulichkeit wird dort gesondert berücksichtigt.

Züchterinformationen für Maisprofis
Leider bietet die deutsche Qualitätsbewertung keine Informationen zur Verdaulichkeit der Zellwände und zum Stärkeabbau. Hier helfen auch Fütterungsversuche mit Hammeln nicht weiter, weil deren Stoffwechsel nicht den einer Hochleistungskuh abbildet. Weil Zellwände und Stärke mit ca. 40 bzw. 30 % Gewichtsanteil an der Gesamtpflanze die wichtigsten Inhaltsstoffe darstellen, werden die Sorten der Saaten-Union in Tabelle 2 differenzierter beschrieben. Es ist ersichtlich, daß Stärkegehalt und Stärkeertrag völlig verschiedene Disziplinen sind, stärkereiche Sorten können einen vergleichsweise geringeren Stärkeertrag aufweisen. Umgekehrt sind Sorten mit höchsten Energie- und Kornerträgen weniger stärkebetont weil die Restpflanze als Sonnenkollektor und Assimilatspeicher wuchtiger angelegt ist.

Eine Stunde reicht nicht
Nach einer Befragung der Saaten-Union braucht ein deutscher Maisanbauer durchschnittlich fünfeinhalb Stunden jährlich für die Maissortenwahl. Allerdings gaben auch 45 % der Befragten an, lediglich 1-2 Stunden mit der Sortensuche zu verbringen und da wird sie manchmal zum Lotteriespiel. Denn eine ganze Reihe weiterer spezieller Betriebssituationen wie etwa das Schädlingsauftreten ist zu berücksichtigen, die Erfahrungen von Beratern und Berufskollegen und die Ergebnisse persönlicher Beobachtungen.  "Wer die Wahl hat, hat die Qual" - aber eben auch Qualität!

Sven Böse



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