Hinweis
Die Texte, die Sie in unserem Archiv finden, wurden in den Vorjahren verfasst, sind also hinsichtlich ihres Erstelldatums nicht mehr brandaktuell. Viele Texte haben aber nichts an Fachaktualität verloren.

Bei einigen Beiträgen werden jedoch zum Beispiel Sorten, Ausprägungen oder Preise genannt, die nicht mehr den heutigen Marktbedingungen entsprechen. Wir bitten Sie, dies besonders dann zu berücksichtigen, wenn Sie die Informationen weiterverwenden möchten.

Immer mehr ein Ganzes

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Die Pflanzenzüchtung in Deutschland hat sich eine weltweit einmalige Struktur erhalten. Von ca. 100 zumeist mittelständischen Pflanzenzuchtunternehmen züchten rund zwei Drittel aktiv in Deutschland, die restlichen Unternehmen vertreiben im Ausland entwickelte Sorten. Diese Züchtungsvielfalt ermöglicht eine große Vielfalt an bearbeiteten Arten und Sorten mit ökologischer Anpassungsfähigkeit für jeden Standort. Wolf von Rahde, geschäftsführender Gesellschafter der Nordsaat Saatzucht reflektiert aus Sicht eines Saaten-Union-Gesellschafters die zukünftige Entwicklung. 

Eine Nasenlänge voraus
Bei der steigenden Anzahl immer spezieller und präziser zu bearbeitender Merkmale wird die Züchtung komplexer und i. d. R. nicht billiger. Hiermit geht der verstärkte Einsatz von Laborkapazitäten und die Anwendung neuer Technologien (DH, Marker, NIRS, Transformationen etc.) einher. Um unseren Vorsprung zu halten, müssen wir geistig und finanziell Schritt halten mit dem aktuellen Niveau der Forschung, wenn möglich sogar eine Nasenlänge voraus sein. Seit Jahren nehmen wir diese Herausforderungen aktiv an und das mit Erfolg, weil wir offen sind für strukturelle Anpassungen und Veränderungen. 

Durch einen immer engeren Schulterschluss innerhalb der Saaten-Union haben wir in der Vergangenheit eine kontinuierliche Unternehmensentwicklung sichergestellt und zugleich durch arbeitsteilige Kooperationen ein hohes Maß an Effizienz erreicht. Die Saaten-Union ist so immer mehr ein Ganzes geworden, mit gleichgerichteter Interessenslage. Die 7 Gesellschafter sind optimistisch was die Ausschöpfung weiterer, synergetischer Potenziale betrifft und schließen auch Gedanken über mögliche, strategische Allianzen nicht aus.

Arbeitsteilung von Mittelstand und Konzernen
Die Zukunft kann der Branche eine mehr arbeitsteilige, auf Kooperation ausgerichtete Zusammenarbeit bescheren , in der mittelständische Pflanzenzüchter und multinationale Konzerne als gegenseitige Zulieferbetriebe fungieren. Die Saaten-Union hat schon jetzt eine Menge zu bieten: Gewachsenes Know-how, agronomisch wertvolle Genetik, anwendbare produktorientierte Technologien, kostengünstige Wirtschaft etc.
Für jedes einzelne Unternehmen - ob groß oder klein - wird es in Zukunft immer schwieriger, alle züchterischen Optimalfaktoren einer zukünftigen Sorte gleichzeitig selbst zu schaffen und in eigener Hand zu halten. Dies trifft besonders dann zu, wenn die grüne Gentechnik das notwendige Vertrauen und somit den Durchbruch erlangt.

Die grüne Gentechnologie wird als zusätzliche Methode in der Pflanzenzüchtung Innovationspotentiale für die Zukunft der gesamten Land- und Ernährungswirtschaft erschließen. Schon heute sind bei einzelnen Fruchtarten sinnvolle und nützliche Entwicklungen aus diesem Bereich zu erkennen. Europa wird sich einer neuen Technologie am Ende nicht verschließen können, auch wenn ihre Gegner dies zur Zeit noch nicht erkennen können. Die Kanzlerinitiative wäre ein wesentlicher Schritt zur Abwägung von Chancen und Risiken gewesen.


Offen für neue Technologien
Die große Frage bleibt dabei, ob am Ende eine nachhaltig höhere Wertschöpfung z.B.  mit gentechnisch transformierten Sorten zu erreichen ist. Solange dies nicht der Fall ist und z.B. bei Getreide nur wenig Genkonstrukte zur Verfügung stehen, werden die großen Kapitalgesellschaften kein gesteigertes Interesse an solchen Projekten haben, denn sie müssten ebenso wie die mittelständischen Getreidezüchter mit einer sehr geringen Umsatzrendite leben.

Die in Europa, aber auch in anderen Teilen der Welt reservierte Haltung gegenüber der grünen Gentechnologie hat die Anbieter zum Innehalten gezwungen, die verstrichene Zeit hat geholfen, Techniken weiter zu entwickeln, sie dadurch praxisnäher und preisgünstiger gemacht. Hierdurch ist der innovative Mittelständler heute in der Lage, routiniert modernste Technologien einzusetzen, die vor 10 Jahren noch unerreichbar schienen. Bei politisch nachvollziehbaren und nicht überregulierten Rahmenbedingungen haben gut ausgestattete Mittelstandsunternehmen, insbesondere Unternehmensgruppen wie die Saaten-Union auch in Zukunft viele Möglichkeiten sich in einer mehr und mehr arbeitsteiligen Züchtungswelt einzubringen.

Wolf von Rhade, Nordsaat Saatzucht Böhnshausen




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