Die richtige Sortenwahl ist der erste entscheidende Schritt hin zur Erzeugung hoher Grundfutterqualität. Dementsprechend sorgfältig, unter Verwendung von komplexen und aufwändigen Verfahren, erfolgt die Entwicklung neuer Sorten durch die Maiszüchtung der SAATEN-UNION in der Südwestsaat GbR. Mit den Ausgangskreuzungen von heute wird der Grundstein gelegt für die Sorten des nächsten Jahrzehnts, denn die durchschnittliche Entwicklungszeit einer KNV-geprüften Maissorte dauert 10 Jahre. Dabei entfallen ca. 5 Jahre auf die Entwicklung der Elternkomponenten und ca. 5 Jahre auf die Hybridenentwicklung (Selektion, Einstufung Reifebereich und Nutzungsrichtung, mehrjährige Leistungsprüfung, Zulassung der Sorte). Nur stressresistente Linien kommen weiter Inzuchtlinien sind die Grundlage für erfolgreiche Hybridsorten. Für die Entwicklung von Maishybriden erfolgen umfangreiche „Gesundheitschecks“ und „Leistungsprüfungen“ der potenziellen elterlichen Komponenten. Dabei wird unter anderem die Stresstoleranz gegen abiotische und biotische Stressfaktoren wie z.B. Kälte (Jugendentwicklung), Trockenheit, Lager, Herbizide, Fusarium und Helminthosporium geprüft. Nur Inzuchtlinien, die sich auf Stressstandorten bewährt haben, werden selektiert und weitergeführt. Anschließende Testkreuzungen mit bereits bewährten Linien (so genannte Tester) klären über die Leistungsfähigkeit der neuen Inzuchtlinien auf. Die Testkreuzungen lassen auch schon erste Aussagen über die zu erwartende Qualität der Kreuzungen dieser Inzuchtlinien zu, d.h. es werden bereits in dieser Prüfung z.B. hochverdauliche Linien (Restpflanzenverdaulichkeit) identifiziert. Die Erbkomponentenentwicklung erfolgt mit Unterstützung modernster biotechnologischer Verfahren. So ist heute neben der klassischen Inzüchtung auch die Entwicklung von doppelhaploiden Linien (DH-Linien) etabliert. DH-Linien haben u.a. den Vorteil, dass sie in einem Schritt vollständig ingezüchtet (reinerbig) sind und somit die Testkreuzung, d.h. die Prüfung solcher DH-Linien, effizienter ist. Zusätzlich unterstützt wird die klassische Züchterarbeit durch die Anwendung von molekularen Markerverfahren wie z.B. das genetische „Fingerprinting“ (vergleichbar mit einer Vaterschaftsanalyse beim Menschen bzw. der genetischen Täterbestimmung der Polizei). Durch dieses Verfahren werden Verwandtschafts- bzw. Abstammungsbeziehungen der Inzuchtlinien überprüft. Hybriden europaweit im Test In einem zweiten Schritt der Sortenentwicklung erfolgt die Suche nach geeigneten Kreuzungspartnern, deren Hybriden die höchste Ertrags- und Qualitätsleistung bei gleichzeitig guter Umweltstabilität gewährleisten. Dazu werden neuentwickelte Inzuchtlinien durchkreuzt und die potenziell neuen Hybriden (Experimentalhybriden) auf ihre Ertragsleistung, Qualität (Verdaulichkeit, Energiedichte, Stärkegehalt) und Gesundheit (Fusarium, HT-Toleranz) mehrjährig europaweit geprüft. Vor der Aufnahme in das offizielle Wertprüfungssystem des Bundessortenamtes haben Experimentalhybriden der SAATEN-UNION bereits eine intensive dreijährige interne Prüfung unter verschiedenen klimatischen Bedingungen mit insgesamt ca. 70 – 80 Einzelversuchsergebnissen in weiten Teilen Europas durchlaufen. Um auch in Zukunft Maissorten effizient entwickeln zu können, arbeitet die Maiszüchtung der SAATEN-UNION kontinuierlich an neuen Methoden. Z.B. wird seit 2003 in Kooperation mit der Gemeinschaft zur Förderung der privaten deutschen Pflanzenzüchtung e.V. (GFP) und der Universität Hohenheim eine Methode zur Nahinfrarotspektroskopie (NIRS)-basierten mobilen Erfassung der wertbestimmenden Inhaltsstoffe bei Körnermais entwickelt. Diese moderne Erntetechnik soll dem Züchter ermöglichen, dass sofort nach der Ernte bereits wichtige Qualitätsparameter, die sonst üblicherweise durch teure und langwierige Laboranalysen erfasst werden, zur Verfügung stehen. Dr. Frank Röber, Südwestdeutsche Saatzucht, Rastatt
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Maiszüchter Dr. Frank Röber, Südwestdeutsche Saatzucht Rastatt
Erbkomponenten-Entwicklung und Lebenslauf einer Maissorte
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