Die Wahl der Maissorte aus Sicht der Fütterung ist abhängig von der Leistungseinrichtung, Leistungshöhe und dem Maisanteil in der Fütterung. Dr. Werner Lüpping, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein gibt einen Überblick. Beim Anbau von Silomais sind grundsätzlich zunächst die pflanzenbaulichen Aspekte zu berücksichtigen. Die Maissorten sollten am jeweiligen Standort eine gute Jugendentwicklung zeigen und - auch bei ungünstiger Witterung - sicher abreifen, ohne ins Lager zu gehen. Gleichzeitig sollten die Sorten ggf. unempfindlich gegen leichte Nachtfröste und Befall mit Schaderregern sein. Aus arbeitswirtschaftlichen und logistischen Gründen erfolgt die Ernte für einen Zweck (z. B. Silomais) fast ausschließlich an einem Termin für den Gesamtbetrieb. Werden daher verschiedene Maissorten für den gleichen Zweck angegeben, ist unbedingt auf einen vergleichbaren Erntetermin zu achten. Das gilt auch für den Anbau auf unterschiedlichen Standorten eines Betriebes (z. B. stark unterschiedliche Böden oder Wasserversorgung). Hierbei sind Sortenwahl und Düngungsstrategien so auszurichten, dass ein gleicher Erntezeitpunkt möglich ist. Maisprodukte sind Grobfutter und Kraftfutter Die Produkte des Maisanbaus weisen aus Sicht der Ernährungsphysiologie eine Besonderheit auf. Sie sind sowohl Grobfutter als auch Kraftfutter. Die Grobfutterkomponente der Maisprodukte steht ernährungsphysiologisch für Struktur, d. h. Wiederkauaktivität und damit Speichelproduktion und optimale pH-Regulation in den Vormägen. Sie wird von der Häcksellänge bestimmt und beruht im Wesentlichen auf dem Fasergehalt (Rohfaser, NDF), wobei die Maissiagen immerhin NDF Gehalte um 40 % i.d.T aufweisen (Tab.1). Ein weiterer Aspekt der Struktur beruht auf dem Abbau der Faser in den Vormägen zu Essigsäure. Essigsäure ist ein entscheidender Baustein für die Milchfettbildung. Nur bei ausreichenden Mengen an abbaubarer Faser, die wiederum zu hohen Essigsäuremengen führt, sind Milchfettgehalte in typischen Bereichen erzielbar. Die Kraftfutterkomponente steht ernährungsphysiologisch für die Stärkelieferung aus der Maissilage. Die Stärke ist hoch verdaulich und liefert damit sicher viel Energie. Stärke wird in den Vormägen hauptsächlich zu Propionsäure abgebaut. Propionsäure liefert im Stoffwechsel den wichtigen Energiebaustein Glukose (Zucker). Sie ist wesentlich mit verantwortlich für die Energieversorgung der Kuh und für eine ausreichende Milchmengenbildung. Für die Rindermast hat sie noch eine besondere Bedeutung, weil eine stärkereiche Fütterung über die Propionsäure den Ansatz stark unterstützt. Typische Maissilage enthält in Norddeutschland ca. 30-33 % Stärke, wobei jedoch auch deutlich höhere Gehalte gefunden werden. Besonderheiten der Maisstärke Maisstärke wird im Vergleich zu Getreidestärke langsamer abgebaut und belastet daher die pH-Regulation mit Pansen etwas weniger. Außerdem geht ein Teil der Maisstärke unabgebaut in den Darm (pansenstabile Stärke) und ist dort direkt als Glukose verfügbar. Dieser Teil, die pansenstabile Stärke oder Durchflussstärke, ist jedoch von der genetischen Konstruktion der Maishybride abhängig. Neuere Versuche zeigen, dass durch den Siliervorgang offensichtlich die Stärke besser abbaubar wird, so dass im silierten Material nur noch geringe Mengen pansenstabiler Stärke vorliegen. Daher kann Silomais nicht mehr als wesentliche Quelle von pansenstabiler Stärke angesehen werden. Hier sind genaue weitere Untersuchungen erforderlich, um die Durchflussstärke im silierten Material besser abzuschätzen. Trockenmassegehalt/Abreife Unabhängig vom Fütterungseinsatz muss der Mais eine ausreichende Abreife mit Trockenmassegehalten um 30 - 33 % haben. Nur so ist sichergestellt, dass keine Sickersaftverluste auftreten. Höhere Trockenmassegehalte der Gesamtpflanze sind abzulehnen, weil sich dann die Verdichtbarkeit erheblich verschlechtert und die Silagequalitäten leiden. Ertrag Bei geringen Leistungsansprüchen (Jungviehaufzucht 2. Jahr, altmelkende Kühe, Trockensteher, Mutterkühe, geringes Milchleistungsniveau) spielt sowohl die Energiekonzentration im Futter als auch die Nährstoffzusammensetzung eine untergeordnete Rolle. Für diese Einsatzbereiche ist primär ein hoher Massenertrag erforderlich, um eine effektive Verwertung von preisgünstig angebautem Futter zu erzielen. Energiekonzentration Mit steigenden Leistungen nehmen die Forderungen an die Qualität zu, so dass Qualitätsaspekte in den Vordergrund treten. In erster Linie ist dann der Energiegehalt (MJ je kg Trockenmasse) entscheidend bei ausreichend hohen Energieträgern je ha. Stärke-/Fasergehalt Für die Bullenmast ist eindeutig ein stärkebetonter Silomais vorteilhaft. Spezialisierte Bullenmastbetriebe bevorzugen daher Maissorten mit hohen Stärkegehalten. Hier können auch CCM bzw. Körnermaistypen angebaut oder Hochschnittverfahren - bei ausreichender preiswerter Flächenverfügbarkeit - verwendet werden. In der Milchviehfütterung ist die Herkunft der Energie nicht so eindeutig beantwortbar. Bei geringen bis mittleren Anteilen Maissilage sind grundsätzlich energiereiche Typen erforderlich, wobei die Herkunft der Energie eine untergeordnete Rolle hat. Stärkereiche Typen sind i. d. R. sehr energiereich und können daher auch problemlos eingesetzt werden. Steigende Maisanteile in der Ration (> 60%) Hier bekommen Energieherkunft und Strukturwert eine größere Bedeutung. Bei hohen Anteilen ist der Stärkegehalt im Mais ein begrenzender Faktor. Die Richtwerte für die max. Stärkegehalte in der Ration werden schnell erreicht. Dies trifft insbesondere zu, wenn man bei Maissilage die neuen geringen Werte für die beständige Stärke berücksichtigt. Hinzu kommt, dass die empfohlenen Hochschnittverfahren (weniger Verunreinigungen) zusätzlich den Stärkegehalt erhöhen. Diese Bedingungen können den Pansenstoffwechsel mit latenter Azidose belasten. Der grüne Bereich gibt in der Abbildung jeweils die erwünschten Stärke-/Zuckermengen in der Gesamtration an. Der gelbe Bereich kennzeichnet die Grenzen, wenn beständige Stärke berücksichtigt wird, und die roten Bereiche sollten vermieden werden. Durch gezielte Komponentenauswahl im Mischfutter (beständige Stärke, weniger Getreide, mehr faserreiche Komponenten) kann diesen Verhältnissen entsprochen werden. Wird beispielsweise ein sehr energiereiches Kraftfutter mit mehr als 6,7 MJ NEL verwendet, so haben diese Kraftfutter auf Grund der Getreideanteile häufig Stärke-/ Zuckergehalte von 30 %. Mit diesem Typ werden bei stärkereichem Mais bereits bei Anteilen von 60 - 70 % die Verträglichkeitsgrenzen in der Gesamtration erreicht. Hier müssen schon erhebliche Anteile der Stärke beständig sein, um die Verträglichkeitsgrenzen nicht zu überschreiten. Gleichzeitig fehlt in derart maisbetonten Rationen Struktur für Wiederkauaktivität und pH-Regulation sowie abbaubare Faser für die Milchfettbildung durch Essigsäure, deshalb muss auf eine ausreichende Struktur bei der Ernte geachtet werden. Für diese Rationstypen sind Maissorten zu empfehlen, die ihre Energie neben mittleren Stärkegehalten vor allem aus verdaulicher Faser gewinnen. Eine bessere Verdaulichkeit der Faser (ca. 40% NDF!) führt dann sowohl zu hohen Energiegehalten als auch gleichzeitig zu ausreichender Essigsäureproduktion. Dr. Werner Lüpping, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
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