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Die Texte, die Sie in unserem Archiv finden, wurden in den Vorjahren verfasst, sind also hinsichtlich ihres Erstelldatums nicht mehr brandaktuell. Viele Texte haben aber nichts an Fachaktualität verloren.

Bei einigen Beiträgen werden jedoch zum Beispiel Sorten, Ausprägungen oder Preise genannt, die nicht mehr den heutigen Marktbedingungen entsprechen. Wir bitten Sie, dies besonders dann zu berücksichtigen, wenn Sie die Informationen weiterverwenden möchten.

Mais, eine politische Frucht !!!

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Die Zukunftsperspektiven für Mais in der Landwirtschaft sind gut, denn es gibt keine vergleichbare Kulturpflanze, an der weltweit so intensiv klassische und moderne molekulare Forschung betrieben wird und die in ihrer Nutzung derartig große Möglichkeiten bietet. Das Leistungspotenzial von Mais ist sehr hoch, weltweit werden jährlich über 200 Mio. ha Mais angebaut.

Seit 1920 ist der Kornertrag je ha von 20 auf über 80 dt gestiegen und immer noch nicht an seinem Leistungsplateau angelangt. Mit ca. 2000 DM Rohertrag je ha zeigt der Mais heute im bundesdeutschen Vergleich eine relativ hohe Wertschöpfung. Hinzu kommt heute mehr und mehr die Frage der Qualitätsverbesserung. 

Konventionell und biotechnologisch bestehen gute Möglichkeiten neben der reinen Ertragssteigerung gleichzeitig auch die Qualitätsmerkmale zu verbessern, die die Wertigkeit des Ernteproduktes nachhaltig steigern können. Hier besteht ein erheblicher Forschungsbedarf, um der Landwirtschaft Saatgut von neuen und besseren Hybriden zur Verfügung zu stellen. Die mittelständischen Züchtungsbetriebe, stehen in direkter Konkurrenz zu den multinationalen Agrarkonzernen und sind langfristig nur dann in der Lage in gleichen Zeitabläufen den möglichen Zuchtfortschritt umzusetzen, wenn es gelingt mittels öffentlich geförderter Forschungsvorhaben auch den Mittelstand in gleichwertige Forschungsmöglichkeiten zu versetzen. Mit derzeit weniger als 1% des gesamten öffentlich geförderten Forschungsaufwandes bestehen allerdings noch erhebliche Ungleichgewichte, nimmt Mais doch 13% der deutschen Anbaufläche ein.

Im Rahmen der Saaten-Union-Fachtagungen im Januar 2002 führten wir ein Gespräch mit dem Maiszüchter Dr. Peter Goertz, Südwestsaat über die zukünftigen Entwicklungen bei Silomais, der zu 75% den deutschen Maisanbau dominiert.

Mit 1,15 Mio. ha ist Silomais in Deutschland die Futtergrundlage sowohl für Milcherzeuger als auch für die Rindermast. Worin begründet sich Ihrer Meinung nach die Beliebtheit? 
Bei Silomais haben wir zum Zeitpunkt der besten Reife eine ideale Kombination von optimaler Energiedichte verbunden mit hoher Restpflanzenverdaulichkeit bei noch ausreichender Rohfasereinlagerung zur Herstellung von gut konservierbarer Silage. Mais übertrifft in dieser Kombinationsform alle anderen alternativ verfügbaren Kulturpflanzen. 

Neben der Futtereffizienz ist es im wesentlichen die bessere Qualität der Maisstärke, die Vorteile einbringt. Mit Sicherheit spielt jedoch auch die Futteraufnahme und Schmackhaftigkeit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Erste Hinweise bestätigen, dass es innerhalb der genetischen Variabilität der uns zur Verfügung stehenden Genquellen deutliche Unterschiede gibt. Wir prüfen zur Zeit wie wir diese Eigenschaften systematisch in unsere neuen Hybriden hineinzüchten können. Die Pflanzengesundheit und gewisse Geschmacksstoffe spielen dabei eine Rolle. Aber klare Aussagen, um damit die Leistungswertigkeit von neuen Hybriden besser einstufen zu können gibt es noch nicht. 

Welche weiteren Eigenschaften einer guten Silomaissorte werden von Ihnen als Züchter bearbeitet und was dürfen wir erwarten?
Durch einen erhöhten Kornanteil an der gesamten Biomasseleistung einer Maispflanze ist ein höherer Stärkegehalt zu erreichen. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Züchtungsaufgaben. Daneben natürlich die Qualitätseigenschaften: Stärkegehalt, Stärkequalität und Zellwandverdaulichkeit. Alle drei Bereiche sind Kernzuchtziele unserer Maiszüchtung. Erste Erfolge konnten wir bereits durch neue in 2001 zugelassene Hybriden Abraxas und Ravenna zeigen. Für 2002 gibt es Saatgut, um die bessere Wertigkeit auch im Einzelbetrieb zu demonstrieren. 

Über höhere Verdaulichkeit, Bypass-Stärke usw. wird ja viel diskutiert im Moment. Was ist dran an diesen Begriffen und kann die Züchtung dem Landwirt Sorten anbieten, die hier echte Vorteile aufweisen?
Ein Teil der Stärke muss den Pansen unaufgeschlossen durchlaufen, um dann mit einem um 40% höheren Wirkungsgrad im Dünndarm verdaut zu werden. Diese "Bypassstärke" ist ein wesentlicher Bestandteil an der Gesamtstärke und muss durch zielgerichtete Selektion im Züchtungsprozess berücksichtigt werden. Gerade der bei uns größtenteils angebaute Hartmaistyp hat ca. doppelt soviel dieser Stärkeform als Futtergetreide.

Neben der Stärke ist für den Futterwert der Verdaulichkeitsgrad der Silage von großer Bedeutung. Die seit Jahren betriebene Silagequalitätsforschung hat gezeigt, dass wir eine sehr große genetische Variabilität für die Verdaulichkeit der organischen Masse bei Mais haben. Dabei sind die Unterschiede in der Verdaulichkeit der Zellwand am größten. Diese noch weitestgehend nicht genutzte genetische Variabilität versuchen wir in der Züchtung zur Zulassung von qualitativ besseren Silomaishybriden konsequent zu nutzen. Neue Maishybriden werden sich also durch höheren Futterwert der daraus erzeugten Silage auszeichnen. 

Neben den reinen Inhaltsstoffen ist ja der Silierungsprozess wesentlich mitentscheidend für gesunde und bekömmliche Silage. Wie stark ist der Einfluss der Sorte hier?
Stärkegehalt, Stärkequalität, Verdaulichkeit der Zellwand und Rohfasergehalt sind abhängig von der Sorte, dem Klima und den bodenspezifischen Bedingungen. Ein weiterer wichtiger Parameter ist der richtige Trockensubstanzgehalt (TS) der Ganzpflanze zum Zeitpunkt des Silierens. Mit zunehmendem TS-Gehalt der Silage verschlechtert sich der Konservierungserfolg. Ist aber dann noch die Konservierung unsachgemäß, gehen schnell alle positiven Eigenschaften einer Silage trotz richtig gewählter Sorte verloren.

Fehlgärungen in Verbindung mit Befall des Siliergutes durch Pilzinfektionen vom Feld oder durch unsaubere Lagerbedingungen verursachen sehr schnell einen drastischen Qualitätsverlust, der zu Gesundheitsschäden und mangelndem Wohlbefinden der Tiere führen kann. Von Seiten der Züchtung haben wir diesbezüglich keinen Einfluss mehr auf die Erreichung hoher Silagequalitäten.

"Functional Food", also Lebensmittel mit Zusatznutzen, sind der große Trend in der Humanernährung. Wird es so etwas auch bald in der Tierernährung geben?
Die heute verfügbaren Maiszuchtverfahren erlauben uns schneller und effektiver neue spezielle Inhaltstoffe durch gezielte Selektion in moderne Maishybriden einzulagern und dadurch auch die ernährungsphysiologischen Bedingungen für eine erfolgreiche Milch- oder Fleischerzeugung zu verbessern. Hier gibt es aber noch viel Forschungsbedarf, um die Beziehungen zwischen der sinnvollen Steigerung solcher Inhaltstoffe und deren praktischen Nutzen genauer definieren zu können.

Ein positives Beispiel wäre die Entwicklung von neuen Maishybriden mit niedrigem Phytingehalt im Korn. Phytin ist eine für das Tier unverdauliche Phosphat-Reserve im Korn. Sie erhöht den Phosphorgehalt in den Exkrementen der Tier und führt dadurch bei der Ausbringung auf die Felder zu einer stärkeren Umweltbelastung. Durch phytinarme Maishybriden kann die Züchtung einen wesentlichen Beitrag zur besseren Umweltverträglichkeit von Tierexkrementen leisten. 

Wie beurteilen Sie die Zukunft des Maisanbaus in Europa?
Die Maiszüchtung hat mit dazu beigetragen die Anbauwürdigkeit von Mais bis heute in wirtschaftlich attraktive Bereiche voranzutreiben. Wir müssen die Wachstumsschwellentemperatur noch weiter unter 6° C senken und alle Möglichkeiten der Qualitätssteigerung im Korn und Restpflanze kontinuierlich verbessern. Als Ergebnis werden die Ernteprodukte des Maisanbaues in  Nordeuropa einen klaren Mehrwert pro ha erzeugen und damit wird die Rentabilität steigen.

Dabei muss aber die Anpassungsfähigkeit des Maisanbaues auch immer mehr den ökologischen Anforderungen unserer Umwelt gerecht werden. Es gibt viele Ackerflächen, die nicht so einfach für den Maisanbau zu nutzen sind. Aber da der Mais auch als wichtiger CO² Konsument einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag leistet, sollte dies in seiner Gesamtbilanz zur Umweltverträglichkeit Beachtung finden. Wenn wir dazu noch seine natürlich vorhandenen Werteigenschaften besser für uns nutzen, sollte diese Kulturpflanze auch in den Köpfen unserer Politiker wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Denn das wirkliche Leistungspotenzial von Mais für unsere Region haben wir noch nicht erreicht. 




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