Im Spätsommer lockt eine Vielzahl von Maisfeldtagen zu züchtereigenen Versuchsstandorten. Doch wozu dienen diese Versuche eigentlich? Warum braucht die SAATEN-UNION ein Prüfnetz von der Nordsee bis zum Bodensee? Was passiert hinter den Kulissen? praxisnah begleitete Stationsleiter Xaver Zellner und Maiszüchter Dr. Peter Goertz, Südwestdeutsche Saatzucht, bei der Bonitur eines Versuchsstandortes bei Freising. Herr Zellner, wozu die umfangreichen AC1-Versuche, wenn es doch offizielle Prüfungen gibt? Zellner: Unser Ziel mit dem AC1-Versuch ist die Zusammenführung verschiedener Prüf- und Auswertungssysteme im direkten Vergleich und zu einem sehr frühen Stadium. Ein Beispiel: Nehmen Sie die Sorte RAVENNA. Sie stand in der deutschen Wertprüfung und in den Landessortenversuchen. Die Sorte TANGO dagegen ist in der holländischen Wertprüfung eine echter Shootingstar, in Deutschland steht die Sorte gegenwärtig im EU-Versuch. In unseren AC1-Versuchen stehen beide Sorten auf 25 Standorten in ganz Deutschland nebeneinander, sind direkt vergleichbar und im Rahmen des KNV-Konzepts gezielter zu empfehlen. Reichen hierfür zwei Wertprüfungsjahre nicht aus? Zellner: Deutschland besitzt ein hervorragendes Prüfsystem und die damit gewonnen Leistungsdaten sind für unsere Sortenbeurteilung und für die Sortenpositionierung ein sehr wichtiger Baustein. Die Wertprüfung ist jedoch bei Mais nur zweijährig. So kann eine Sorte, die in zwei klimatisch so unterschiedlichen Jahren wie 2003 und 2004 in der Wertprüfung steht, allein auf Grund der Witterung ein völlig unterschiedliches Bild liefern. Daher ja auch das KNV-Sortenwahl-Konzept, das auf weiteren AC1-Versuchen fußt und als eine wichtige Säule die Klimaeignung berücksichtigt. Und was bringt das KNV-Konzept dem Landwirt noch? Zellner: Grundsätzlich suchen wir natürlich nach dem perfekten Produkt für die jeweiligen Ansprüche der Verbraucher. Um bei diesen doch sehr unterschiedlichen Ansprüchen dem Landwirt die Sortenwahl zu erleichtern, prüfen wir mit den AC1-Versuchen auf sehr breiter Basis. Aber zurück zu Ihrer Frage: KNV ordnet die Sorten entsprechend ihrer Eignung einer Nutzungsform und Verwertungsrichtung zu. Um solche Aussagen treffen zu können, beurteilen wir die Sorten optisch, so wie Herr Dr. Goertz und ich das heute tun. Dann werden die Ertragsergebnisse ausgewertet und parallel die Sorten im Labor umfangreichen Qualitätsprüfungen unterzogen. Bei Silomais liegt dabei der Schwerpunkt auf Stärkegehalt, Stärkequalität und Restpflanzenverdaulichkeit, bei Körnermais beispielsweise auf Druscheigenschaften und zahlreichen inneren Kriterien, die von den Verarbeitern, z.B. der Stärkeindustrie, gefordert werden und über die offiziellen Prüfkriterien oft hinausgehen. Wird Gesundheit des Ernteguts bei Mais ähnlich wie bei Weizen zum Thema werden? Dr. Goertz: Auf jeden Fall, das wird eine unserer größten Herausforderungen in der Resistenzzüchtung. Krankheiten wie Helminthosporium werden wir bald im Griff haben, Fusariosen sind da schon schwieriger zu bearbeiten, denn sie befallen Wurzel, Stängel, Blätter, den Kolben oder gar die ganze Pflanze. Für alle aber gilt: In der Maispflanze steckt eine enorme genetische Variabilität - als Kosmopolit wird sie heute vom Äquator bis nach Finnland angebaut. Durch diese Vielfalt gibt es im Grundsatz gegen fast jede Krankheit, jeden Schädling und jeden Virus eine natürliche Resistenz. Die Kunst des Züchters ist es, diese unter vertretbarem Aufwand zu finden. Wie funktioniert das praktisch? Dr. Goertz: Wir nutzen die weltweiten Genombanken und suchen vorhandene Resistenzmechanismen. Man erkennt sie, indem man homogene Infektionsbedingungen schafft. Das identifizierte Zuchtmaterial muss dann in moderne, leistungsfähige Sorten eingelagert werden. Diese Kreuzungen werden daraufhin noch mehrere Jahre in Züchterversuchen wie diesem hier auf Marktreife geprüft. Wir besuchen unsere Hoffnungsträger immer wieder auf den unterschiedlichsten Standorten und beobachten ihre Entwicklung ganz genau. Das ist wie eine Castingshow, wo junge Talente ihr Können beweisen dürfen. Gibt es schnellere Möglichkeiten der Resistenzzüchtung? Natürlich gibt es die und wir nutzen sie auch. So setzen wir verstärkt auf eine Form des „prebreeding“, d.h. wir entwickeln „Donor“-Populationen, Zuchtmaterial, das auf einem bestimmten Leistungsniveau gehalten wird und als „Spendermaterial“ für die resistente Sorte dient. Die Methodik der Kreuzung ist dann natürlich das Geheimnis eines jeden Züchters. Das Gespräch führte Christine Herbrig, Saaten-Union
|