Seit 2001 treten Russland und die Ukraine - die ehemalige Kornkammer Europas – als Weizen Exporteure in größerem Umfang auf. Noch 1998 erhielten diese Länder u.a. 1,5 Mio t Weizen und Roggen als Nahrungsmittelhilfe aus der EU und den USA. 1. Welthandel für Weizen bisher - Umbruch im Weltmarkt für Weizen seit Zusammenbruch der Comecon in Osteuropa
- Bisher: 5 große Exporteure bestritten 85% des Welthandels: USA, EU, Kanada, Argentinien, Australien
- USA als größter Exporteur gab Preise vor (30% des Welthandels)
- rund 20 größere Importländer
2. Neue Strukturen im Welthandel Seit 2001 treten Russland und die Ukraine - die ehemalige Kornkammer Europas – als Weizen Exporteure in größerem Umfang auf. Noch 1998 erhielten diese Länder u.a. 1,5 Mio t Weizen und Roggen als Nahrungsmittelhilfe aus der EU und den USA. Die Vorstellung erwies sich als falsch, dass die hohen Exportmengen auf eine besonders gute Ernte zurückzuführen waren und es sich um einen einmaligen Auftritt handelte. Auch 2002 treten Russland und Ukraine mit großen Exportmengen auf und beabsichtigen das auch zukünftig durch den Ausbau wichtiger russischer Hafenanlagen und Förderprogramme für die Landwirtschaft. Warenströme werden hauptsächlich von der EU aufgenommen (mehr als 3 Mio t Weizen 2002), inzwischen aber auch von Kanada und Brasilien aufgekauft. Gleichzeitig hat die EU die besonderen Einfuhrbeschränkungen für Weizen aus der Schwarzmeerregion abgebaut => EU-Weizen-Importe verdreifachten sich. 2002 liegt der Anteil der 5 ehemalige Hauptexporteure nur noch bei 65% des Handelsvolumens. Künftig ist mit 7-8 Großanbietern auf dem Weizenmarkt weltweit zu rechnen. 3. Regionale Preisbildung Bisher bildete sich für einheitliche Qualitäten weltweit überall der gleiche Preis. Durch die Missernte in Nordamerika, Australien und Ertragsminderung in Argentinien entstanden in diesem Jahr unterschiedliche Preise bei gleichen Qualitäten. USA soft red winter (=niedrigste Qualität) erlebt in den USA aufgrund der Knappheit Preishoch (bis zu 170 €/t frei Seeschiff an der Golfküste). Gegenteilige Preisentwicklung finden in Osteuropa statt – ähnliche Qualitäten sind für 110 €/t fob Schwarzmeerhafen zu haben. Trotz dieses Preisgefälles konnten die USA weiterhin Weizen exportieren. Spezielle US-Förderprogramme subventionieren den Export in Länder wie Ägypten mit rund 30€/t aus politischen Gründen. Die geringeren Weizenmengen führen dazu, dass wichtige Importmärkte Australiens und Nordamerikas von anderen Exporteuren beliefert werden: Iran, Irak, vor allem Kasachstan und Russland, Afrika, Südostasien, Ukraine, EU, USA 4. Getrennte Märkte für unterschiedliche Qualitäten - Australien, Kanada, Argentinien und z.T. die USA exportieren hochwertigen Brotweizen und kaufen auf dem Weltmarkt billigen Futterweizen zu (hauptsächlich aus Russland)
- bessere Qualitäten können bisher von der Ukraine und Russland nicht angeboten werden
- für europäischen A- und E- Weizen gilt aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit dieser Qualitäten weltweit weiterhin ein hohes Preisniveau
5. Konkurrenz EU und Schwarzmeerraum im B-Weizen Segment - Die Qualität von EU-Ware bei normalen Brotweizen hebt sich nicht deutlich von osteuropäischer Ware ab
- vergleichbare Qualitäten aus Osteuropa werden derzeit 5-17€/t günstiger angeboten als EU-Ware
- EU-Exporte nur in kleinen Mengen möglich solange Ware aus Osteuropa verfügbar
- Belebung des Marktes im Frühjahr fraglich, da erste Meldungen über höhere Weizenernte 2003 bereits den Markt belasten
6. Importkontingente - ab Januar 2003 schützt die EU ihren Weizenmarkt durch Importkontingente für insgesamt 2,982 Mio t Weizen niedriger und mittlerer Qualität
- der Zoll innerhalb des Kontingents beträgt 12€/t
- oberhalb der kontingentierten Menge liegt der Zoll bei 95€/t
- Maßnahme kommt für Frühjahr 2003 zu spät: Importeure haben Seeläger rechtzeitig vorher gefüllt (Mitte Dez. war EU Weichweizen Netto-Importeur! Einfuhrlizenzen in Höhe von 7.5 Mio t gegenüber Ausfuhrlizenzen von 5,7Mio t )
- bis ins Frühjahr hinein werden diese Mengen einer schnellen Preiskonsolidierung im Wege stehen. 2002/2003 wird die EU 9,0 bis 10,0 Mio t Weizen importieren - doppelt soviel wie noch 1998/99.
- Zwar begrenzen Zollschranken künftig den Import aus Südosteuropa, die kontingentierte Menge liegt jedoch über dem früheren Importniveau der EU
- damit wird die EU dauerhaft zum weltweit größten Weizenimporteur (vorauss. 5 Mio t jährlich)
- zusätzlich Abkommen mit neuen EU-Beitrittsländern über zollfreie Importkontingente
- bisher wenig Ware aus MOE-Ländern wegen des billigeren Weizens aus Russland; dürfte sich aber künftig auf EU-Markt auswirken
7. Fazit EU-Weizenbilanz - weltweit knappe Weizenbestände können sich nicht so positiv wie erhofft auf den europäischen Weizenmarkt auswirken
- Positiv: der Futterverbrauch dürfte um ca. 3 Mio t steigen (Mischfutter)
- auch die Exporte sollen auf ein Niveau von 15 Mio t wachsen – diese Steigerungen werden jedoch weitgehend von Frankreich und Großbritannien abgedeckt
- selbst bei Belebung des Marktes ist nicht unbedingt mit einer Preisstabilisierung in der EU zu rechnen
- die Knappheit in Deutschland durch die schlechte Ernte wird durch innereuropäische Importe abgedeckt (hauptsächlich aus Frankreich)
- Qualitätsware bleibt äußerst gefragt, die Mühlen bieten z. T. lukrative Aufschläge für Fallzahlen über 350 Sekunden.
- Insgesamt ist eine eher verhaltene Marktentwicklung zu erwarten
8. Ausblick und Empfehlungen für die Marktfruchtbetriebe in Ostdeutschland - Veränderungen im Vermarktungsverhalten sind erforderlich
- Reaktionen im Anbau auf veränderte Nachfrage
Frank Nissen, Raiffeisen Hauptgenossenschaft Nord AG, Geschäftsstelle HaGe NORDLAND
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