Landwirtschaft im Umbruch |
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- Renaissance für vielseitige Fruchtfolgen? Die Konturen für die Umsetzung der europäischen Agrarpolitik in Deutschland zeichnen sich immer klarer ab. Verglichen mit anderen Produktionszweigen scheint der Ackerbau auf den ersten Blick dabei weniger stark betroffen zu sein. In vielen Marktfruchtbetrieben werden sich die Prämienverluste in Grenzen halten, dennoch - auch für diese Betriebe stehen Veränderungen ins Haus, über deren Auswirkungen man sich früh genug Gedanken machen sollte. Die von der EU vorgegebenen Verordnungen werden in den einzelnen Mitgliedsstaaten innerhalb des vorgegebenen Rahmens unterschiedlich umgesetzt. In Deutschland gibt es daneben auch zwischen den einzelnen Bundesländern Unterschiede, die sich insbesondere auf Grund der Verwendung der Modulationsmittel ergeben. Darüber hinaus haben in jüngster Vergangenheit auch rein bundespolitische Akzente in der Politik Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Toxin-Grenzwerte betreffen den Landwirt direkt Kritische Konstellationen wie der pfluglose Anbau von Weizen nach Mais oder Getreide können zukünftig wegen des höheren Mykotoxinrisikos verstärkt zu Vermarktungsproblemen führen. Auch der Sortenwahl muss besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Sorten, die vom Bundessortenamt bei der Fusarium-Anfälligkeit mit der Note 7 oder schlechter eingestuft werden, sind kritisch zu sehen und sollten nur in besonders geeigneten "Gesundlagen" zum Anbau kommen. Die Züchtung hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt. Waren früher ausgesprochene Kurzstrohtypen fast immer hoch anfällig für diese Krankheit, so liegen neuere Zulassungen eher im mittleren Bereich. Bei längerstrohigen Typen stehen schon seit mehreren Jahren Sorten mit geringer Anfälligkeit zur Verfügung. In Situationen mit erhöhtem Risiko muss darüber hinaus trotzdem die Anbauwürdigkeit alternativer Kulturen und die Auflockerung der Fruchtfolgen neu überprüft werden. Die weitere Einengung hin zu getreidereichen Fruchtfolgen - je nach Standortbonität z.B. durch die Ausdehnung des Triticaleanbaues - und die Produktionsaufgabe auf Standorten mit Getreideerträgen von weniger als 50 dt/ha dürften Folgen des Wegfalls der Roggenintervention sein. Die in Deutschland als Ausgleich um 10% erhöhte Rückführung von Modulationsmitteln kann für Spezialprogramme aufgewendet werden. Eine direkte Stützung der Roggenproduktion ist dabei unzulässig, so dass auch bisher nicht Roggen anbauende Betriebe von diesen Programmen profitieren können. In diesem Jahr wurde beispielsweise in Niedersachsen für Landkreise mit hohen Roggenanteilen ein spezielles Programm zur Förderung des Zwischenfruchtanbaues angeboten. Der Einstieg in solche Programme kann auch vor dem Hintergrund der weiteren Auflagen im Rahmen der GAP-Reform besonders interessant sein. Um die Ausgestaltung der zukünftigen EU-Zuckermarktordnung wird derzeit intensiv gerungen. Alle aktuell diskutierten Szenarien lassen nach 2006 deutliche Einkommensverluste bei den Rüben anbauenden Betrieben erwarten. Durch die meist hohe Standortbonität der dann freigesetzten Anbaufläche wird zunächst eine weitere Ausdehnung der Weizenfläche wahrscheinlich. Die sich dann schnell zuspitzenden Probleme bei Pflanzenschutz und Arbeitszeitauslastung können aber auch Denkanstoß für vielseitigere Modelle der Fruchtfolgegestaltung sein. Die Entkopplung der Direktzahlungen von der Produktion wird in Deutschland auf eine ab 2012 einheitliche Flächenprämie für Acker- und Grünland hinauslaufen. Profitieren werden davon Betriebe mit hohen Flächenanteilen an bislang nicht prämienberechtigten Kulturen wie Ackerfutter, Zuckerrüben oder Speisekartoffeln. Betriebe mit hohen Anteilen an Mähdruschfrüchten müssen mit Einkommensrückgängen rechnen. Sonderzahlungen sind für Energiepflanzen und nachwachsende Rohstoffe auf Nicht-Stilllegungsflächen (45 €/ha) und bei Eiweißpflanzen (55,75 €/ha) vorgesehen. Während sich bei den Leguminosen gegenüber der derzeitigen Situation praktisch nichts ändert, kann der Anbau von Energiepflanzen mit Blick auf die Neufassung des Gesetzes über erneuerbare Energien (EEG) Aufwind erhalten. Modulation fördert vielfältige Fruchtfolgen Im Rahmen von Cross-Compliance wird zukünftig die Einhaltung von 18 bereits geltenden europäischen Rechtsvorschriften überwacht, darüber hinaus sind die Direktzahlungen an die Erhaltung der Flächen in "gutem landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand" gebunden. Der Entwurf der deutschen Verordnung hierzu ist derzeit in der Diskussion. Bei der Stilllegung von Ackerflächen werden zukünftig Mindeststandards vorgeschrieben. So ist nach derzeitigem Stand die gezielte Begrünung mit Saatgutmischungen, die mindestens drei Arten insektenbestäubter mehrjähriger Blütenpflanzen enthalten müssen, vorgesehen. Ferner muss zum Erhalt der Artenvielfalt innerhalb von drei Jahren eine Neu- oder bei hinreichender Grünbedeckung auch eine Nachsaat vorgenommen werden. Der Aufwuchs muss mindestens einmal jährlich gemulcht werden. Sollte es auf Grund der beschriebenen Veränderungen zunächst zu einer weiteren Erhöhung des Getreide- und vor allem des Weizenanteiles in den Fruchtfolgen kommen, dürfen die damit einhergehenden Probleme jedoch nicht unterschätzt werden:
Viele dieser Nachteile sind durch aufgelockerte Fruchtfolgen unter Einbindung von Körnerleguminosen und anderer Sommerungen mit den eleganten Möglichkeiten pflugloser Bodenbearbeitungssysteme aufzufangen. In Abb. 1 sind Ergebnisse eines Vergleiches zwischen einer engen gepflügten und aufgelockerten konservierend bearbeiteten Fruchtfolge für einen Standort in der Soester Börde dargestellt. Die Ergebnisse gehen auf einen seit 1998 laufenden Systemversuch zurück und decken sich mit denen anderer Standorte. Die Geldroherträge sind in beiden Systemen nahezu gleich. Mit DAL ist in der Abbildung die direkt- und arbeitserledigungskostenfreie Leistung bezeichnet. Sie ist in der aufgelockerten Fruchtfolge auf Grund niedrigerer Maschinen- und Arbeitskosten höher als in der Fruchtfolge mit dreimaligem Weizenanbau und würde bei einer Betriebsausdehnung zusätzlich ansteigen. Betriebswachstum durch konservierende Systeme Die durch die Politik vorgegebenen neuen Rahmenbedingungen bedeuten für viele Betriebe drastische Einschnitte. Angepasste kostengünstige Bewirtschaftungssysteme und die gezielte Nutzung von Programmen im Rahmen der Modulation können dazu beitragen, diese Konsequenzen abzumildern. Prof. Dr. Bernhard C. Schäfer, Der Artikel gibt den Kenntnisstand Juni 2004 wieder.
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