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Die Texte, die Sie in unserem Archiv finden, wurden in den Vorjahren verfasst, sind also hinsichtlich ihres Erstelldatums nicht mehr brandaktuell. Viele Texte haben aber nichts an Fachaktualität verloren.

Bei einigen Beiträgen werden jedoch zum Beispiel Sorten, Ausprägungen oder Preise genannt, die nicht mehr den heutigen Marktbedingungen entsprechen. Wir bitten Sie, dies besonders dann zu berücksichtigen, wenn Sie die Informationen weiterverwenden möchten.

Mehr Leistung - mehr Bruch!?

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Die Mähdruschernte ist für die Landwirtschaft eine entscheidende Phase in der Ertragsmaximierung. Die über das Jahr gehegten und mit viel Sorgfalt gepflegten Bestände werden oft in einer regelrechten Ernteschlacht vom Feld genommen. Bei 3% Bruchkornanteil verlassen mindestens 1% Mehlstaub und feine Kornbestandteile den Mähdrescher ohne über die Verlustinstrumente sichtbar zu werden und lösen sich sozusagen in Luft auf. Dabei lassen sich gerade bei der Ernte Verluste vermeiden.

Die Erträge der Mähdruschfrüchte konnten in den letzten Jahren deutlich gesteigert werden. Die Pflanzenzüchtung hat mit der Selektion immer ertragreicherer Sorten wesentlich dazu beigetragen. Verbesserte Resistenzen, höhere N-Effizienz aber auch die Verbesserung ertragssichernder Faktoren wie z.B. Standfestigkeit, haben zur Stabilisierung und Absicherung hoher Ertragsleistungen geführt. Hinzu kam ein innovativer Schub aus der Pflanzenschutzforschung mit neuen hochwirksamen Mitteln, die direkt in pflanzenphysiologische Prozesse eingreifen. Die aus dem Bereich der Azole und Strobilurine stammenden Stoffe wirken oft auch stressmindernd und seneszenzverzögernd. Eine ausgefeilte N- und S-Düngung mit einer zunehmend zum Standard gehörenden Mikronährstoffversorgung führt darüber hinaus zu einer lang anhaltenden Assimilationsfähigkeit.

Stroh bestimmt Druschleistung
Die daraus resultierenden Hochleistungsbestände reifen im Korn eher als im Stroh. Das Ausreizen möglichst langer Vegetation mit funktionsfähigem Pflanzenapparat führt nicht nur zu späteren Reifeterminen, sondern zwangsläufig zu Problemen im Drusch, denn zähes Stroh drischt schwer. (Abb.1). Werden auf einem Weizenschlag 85 dt/ha geerntet, müssen 6,6 m3 Korn und 200 m3 Stroh durch den Mähdrescher. Das sind dreißig mal mehr Stroh als Korn. Mähdrescherhersteller versuchen dieser Problematik durch eine höhere Motorisierung und technische Finessen an den Druschorganen zu begegnen.

Zwar ist die höhere Leistungsreserve zum Dreschen des zähen, elastischen Strohs notwendig, andererseits verlangt das trockene Korn auch bei scharfer Einstellung der Organe eine schonende Behandlung. Da die Strohkonsistenz für die Mähdreschereinstellung wesentlich bestimmender ist, wird aggressiver eingestellt und die Gefahr des Körnerbruchs wächst, besonders beim Einsatz neuer Drescher. Die Qualität der geernteten Partien reagiert mit höheren Veratmungsverlusten, Fallzahlproblemen und unruhigem Lagerverhalten. Der Landwirt hat deshalb zunehmend das Problem sich mit Fragen der Ernteprozessoptimierung auseinander zu setzen, will er die Früchte seiner Arbeit qualitätsschonend und kostenminimiert ernten.

Harvest Pool - Synergiepartnerschaft
Schon bei der Aussaat muss in Großbetrieben mit einer Reifestaffelung der Sorten je nach Mähdrescherkapazität begonnen werden (Abb.2). Eine angepasste Produktionsintensität auf den jeweiligen Schlag muss dem Abreifeverlauf des Sortentyps entsprechen. Viele Einflussgrößen, viele offene Fragen, die selbst der Sorten- oder Pflanzenschutzmittelanbieter allein heute nur eingeschränkt beantworten kann. Aus diesem Grund wurde das Kooperationsprojekt Harvest Pool gegründet. Dort setzen sich die einzelnen Anbieter schon im Vorfeld ihrer Sorten-, Mittel- und Maschinenzulassung zusammen und informieren über ihre  Entwicklungen. Der Landwirt als größter "Versuchsansteller" soll mehr Hinweise und zur Ernteoptimierung als bisher erhalten, das betrifft den Erntetermin ebenso wie die Mähdreschereinstellung und die Produktionstechnik. 

Große Körner sind empfindlicher
Im Jahr 2000 wurde vom Harvest-Pool in Kleptow/Nordostbrandenburg ein sehr flächen-, kosten- und personalaufwendiger Mähdruschgroßversuch durchgeführt. In diesem Versuch wurden 4 Sorten, in je 3 Fungizidvarianten, 5 Fahrgeschwindigkeiten mit 3 Druscheinstellungen zu 2 Ernteterminen geprüft. Die Sortenwahl erfolgte gezielt nach dem Verhältnis Stroh zur Kornabreife, Korngröße, Strohlänge und Resistenzausstattung. 

Erste Auswertungen zeigen insbesondere im Qualitätsbereich interessante Ergebnisse. Demnach reagieren großkörnige Sorten mit höheren Bruchkornanteilen bei unsachgemäß scharfen Einstellungen. Erhöhte man hier die Fortschrittsgeschwindigkeit und damit den Durchsatz und das Strohpolster, verringerten sich schnell die Bruchkornanteile. Die Sorte Pegassos ist hierfür ein gutes Beispiel. Als eine der früh abreifenden, mittellangen, großkörnigen Sorten dankt sie ein gutes Strohpolster im Dreschwerk mit schonendem Ausdrusch. Der Mähdrescher kann hierzu an die Leistungsgrenze herangefahren werden, zumal die Sorte in den Versuchen hervorragend hohe Druschleistungen zuließ. Während kleinkörnige und dazu frühreife Sorten, wie auch der Wechselweizen, sensibel zu behandeln sind, reagieren kleinkörnige Sorten eher gelassen.

Ertragsvorteile werden aufgezehrt
In Zukunft muss eine ganzheitliche Betrachtung betrieblich-technologischer Prozesse erfolgen. Das fängt an mit einer intelligenten Reifestaffelung. Relative Ertragsvorteile von 3% zwischen einzelnen Sorten werden im Drusch durch Termin- und Trocknungskosten schnell um ein Vielfaches aufgezehrt. Die termingerechte Bestandesetablierung der Folgefrüchte muss ebenfalls berücksichtigt werden.

Spätestens die DLG-Mähdrescherprüfungen zeigten, dass verschiedene Sorten im gleichen Prüfvorgang Leistungsunterschiede von 4 bis 6 t aufweisen. Dabei gibt es nicht die ungeeignete Sorte für den Mähdrusch, sondern nur den ungeeigneten Erntetermin. Die zentrale Stellung der Sorte im Druschprozess wurde durch diese Mähdrescherprüfung grundsätzlich gestärkt. Erhebliche Maschinenkosten sind einzusparen, wenn mit der Sortenwahl der Ernteablauf leistungsstark, verlustarm und qualitätsgerecht vorbereitet wird.

Andreas Göbel, Fachberatung Mecklenburg-Vorpommern
Andrea Feiffer, Feiffer Consult

Die erwähnten Abbildungen finden Sie im pdf-Dokument anbei.

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