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Die Texte, die Sie in unserem Archiv finden, wurden in den Vorjahren verfasst, sind also hinsichtlich ihres Erstelldatums nicht mehr brandaktuell. Viele Texte haben aber nichts an Fachaktualität verloren.

Bei einigen Beiträgen werden jedoch zum Beispiel Sorten, Ausprägungen oder Preise genannt, die nicht mehr den heutigen Marktbedingungen entsprechen. Wir bitten Sie, dies besonders dann zu berücksichtigen, wenn Sie die Informationen weiterverwenden möchten.

Was tun mit frostgeschädigtem Wintergetreide?

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Kahlfröste haben vor allem im nördlichen und östlichen Bundesgebiet den Winterungen zugesetzt. Verschärft wird der Kältestress in Beständen mit schwacher Herbstentwicklung sowie nach einer Enthärtung der Pflanzen in Warmphasen. Gegenwärtig setzt Frosttrocknis den Beständen zu. Jetzt geht es um die richtige Andüngung, die Bestockungsanregung mit mechanischen Maßnahmen, den gezielten Einsatz von Wachstumsregulatoren und ein schonendes Herbizidmangement.
Dr. H.-G. Schönberger stellt sich den Fragen der Saaten-Union-Fachberatung.

Wie kann sich der Landwirt einen Überblick über die Situation in seinen Wintergetreidebeständen verschaffen?

"Wenn Verdacht auf Frostschäden besteht, sollte der Landwirt eine Reihe von Pflanzen aus betroffenen Schlägen ca. 15 cm tief ausgraben und in Gelbschalen austreiben lassen. Für ein eindeutiges Ergebnis sollte die Temperatur wenigstens 8 - 10 ° C betragen, der Raum hell sein und ein wenig Stickstoffdünger macht das Ergebnis noch eindeutiger: Nach 8 - 10 Tagen kann der Anteil lebender Pflanzen anhand des Neuwurzelaustriebs identifiziert werden."

Gibt es auch einfachere und schnellere Methoden, lebende Pflanzen zu identifizieren?

"Wer Keimrollen zur Verfügung hat, kann darin kupierte Einzelpflanzen einlegen, dann ist der Neuaustrieb schon nach drei oder vier Tagen zu sehen. Als Schnelltest können weiter entwickelte Pflanzen aufgeschlitzt und der Vegetationkegel freigelegt werden: ist dieser fest und glasig, lebt die Pflanze."

Wie sollen geschädigte Bestände mit Stickstoff geführt werden, soll die Andüngung erhöht werden?

"Das kommt drauf an: Auf leichten Böden macht sehr viel mehr N kaum Sinn, weil die Pflanzen mehr Stickstoff gar nicht umsetzen können. Dort reichen ca. 40 - 60 kg N, ein Teil davon jedoch unbedingt als Nitrat. Auf schweren Böden kann dagegen die vorgesehene erste Gabe mit der halben Menge der geplanten Zweiten zusammengefasst werden."

Gilt das für alle Getreidearten?

"Das gilt vor allem für lückige Wintergerste, wo durch die Nachdüngung keine Schossertriebe provoziert werden sollen. Bei Weizen genügen als Startgabe 60 – 70 kg N/ha, weil wir hier gezielter nachlegen können. Insgesamt sollte sich die Düngung in geschwächten Beständen weniger an der Vorfrucht oder dem Bodenvorrat orientieren, sondern in erster Linie an der realistischen Ertragserwartung eines Bestandes. In stark ausgedünnten Beständen reichen dann häufig schon 100 – 120 kg N/ha bei Gerste und ca. 20 kg/ha mehr bei Weizen."

Ammonium oder Nitrat, fest oder flüssig, was hilft den Beständen am schnellsten auf die Beine?

"Eine Mindestmenge an Nitrat ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr wichtig, denn dieses wird proportional mit dem Bodenwasser aufgenommen, während ja Ammonium erst von der wachsenden Pflanze genutzt wird. Außerdem verdient fester Dünger den Vorzug: Der geschädigte Blattapparat wird geschont, das Wurzelwachstum unmittelbarer stimuliert und außerdem ist der Primingeffekt[1] stärker. Wichtig ist in diesem Frühjahr auch die Versorgung mit Phosphor, das gilt vor allem für reine Ackerbaubetriebe. Denn Phosphor ist bei Kälte besonders wichtig für die Pflanzenernährung wird gleichzeitig jedoch gerade dann nur schlecht aufgenommen."

Können wir den geschwächten Pflanzen auch mit Schwefel und Spurenelementen auf die Sprünge helfen?

In vielen Anbausituationen ist Schwefel auch in diesem Frühjahr unersetzlich, die Versorgung über den Boden mit Stickstoffdüngern ist jedoch etwas problematisch, weil Schwefelsaures Ammoniak oder ASS stark versauernd wirken. Verträglicher ist zum Beispiel Kieserit, da der Magnesiumanteil der Bodenversauerung entgegenwirkt. Über Spurenelemente können wir erst nachdenken, wenn die Pflanzen schon zwei bis drei neue Blätter gebildet haben. Wichtig ist neben Magnesium zur Chlorophyll-Neubildung vor allem Kupfer und Mangan. Diese sollten bei einer Blattdüngungs-Maßnahme berücksichtigt werden.

Die Bestockungsphase wird ja für viele Bestände sehr kurz, kann die Walze hier weiterhelfen?

"Zu kurz wird die Bestockungsphase nur für spätgesäte Bestände. Frühsaaten haben bereits drei bis fünf Bestockungstriebe und müssen nicht zusätzlich stimuliert werden. Entscheidend für einen erfolgreichen Einsatz der Rauhwalze ist der Bodenzustand: Der Boden muss soweit abgetrocknet sein, dass die oberen 10 cm nicht mehr geknetet werden können und er sollte durch Auffrieren gelockert sein. Das beste Gerät hierfür ist die Cambridge-Walze, weil diese eine strukturstabile Bodenoberfläche hinterläßt. Die bestockungsfördernde Wirkung ist am stärksten zum Dreiblatt-Stadium bis Bestockungsbeginn gegeben, früher oder später zu arbeiten hat nicht den gewünschten Effekt."

In Beratungsempfehlungen wird immer wieder der Einsatz von Wachstumsreglern zur Bestandesförderung diskutiert. Was daran ist Fiktion, was Fakt?

"Bei Wachstumsreglern nutzen wir den gleichen Effekt wie bei der Walze, die Abschwächung der Apikaldominanz. Der gewünschte Effekt ist jedoch auch hier nur zur Beginn der Bestockung mit CCC zu erwarten: Die älteren Triebe nehmen mit ihrer größeren Oberfläche mehr Wirkstoff auf und werden im Wachstum gebremst, die Bestockungstriebe können sich besser entwickeln. Nach unseren Erfahrungen kann häufig ein Trieb mehr je Pflanze entwickelt werden, wobei der relative Vorteil bei kühler Witterung größer ist. Früheingesetztes Moddus hätte diesen Effekt nicht, weil es die jüngeren Triebe bremst und damit die Entwicklungsunterschiede in der Pflanze vorübergehend sogar vergrößert."

Was gilt es beim Herbizideinsatz in frostgeschädigten Getreidebestände zu beachten.

Wurden im Herbst noch keine Herbizide eingesetzt, steigt die Umbruchgrenze in der Wintergerste, da alle zur Verfügung stehenden Mittel mehr oder weniger Schaden anrichten. Der Einsatz von IPU ist - auch dort wo möglich - nicht zu empfehlen, weil er sich negativ auf die Neuwurzel-Ausbildung auswirkt. Unter diesen Umständen kommt nur der Einsatz des teuereren Ralons in Frage, jedoch erst nach Erholung der Bestände. Die Ungräser sollten 4 bis 5 Blätter gebildet haben und die Temperaturen nicht mehr stark absinken, sonst nimmt die Ungraswirkung ab und das Schadrisiko steigt. Im Zweifel ist auf die Ungrasbekämpfung besser zu verzichten!

Das Interview führte Sven Böse

Lesen Sie auch zu diesem Thema den Beitrag: Bestandessicherung mit Striegel und Walze

Hinweis:
Alle Beratungsempfehlungen nach bestem Wissen unter Berücksichtigung von Versuchsergebnissen und Beobachtungen. Eine Gewähr oder Haftung für das Zutreffen im Einzelfall kann nicht übernommen werden, weil die Wachstumsbedingungen erheblichen Schwankungen unterliegen.
Für die betriebsspezifische Beratung wenden Sie sich bitte an Ihren regionalen Pflanzenbau-Fachmann, der Ihre konkreten Bedingungen am besten kennt.

 



[1] gemeint ist die Stimulation der N-Bodennachlieferung durch die N-Düngung

   


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