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Die Texte, die Sie in unserem Archiv finden, wurden in den Vorjahren verfasst, sind also hinsichtlich ihres Erstelldatums nicht mehr brandaktuell. Viele Texte haben aber nichts an Fachaktualität verloren.

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Klima: Getreidebau bei Trockenheit und Hitze

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Gerade in den von Natur aus trockenen Anbauregionen Ostdeutschlands wirken sich Dürrejahre dramatisch aus. Nach einem kontinuierlichen Ertragsanstieg über 10 Jahre haben die schwachen Ernten 2002 und 2003 den mittleren Ertragszuwachs von ehemals 1,5 dt/ha auf nun mehr 0,3 dt/ha jährlich korrigiert.    

Mit Ausnahme von 2003 stören weniger Trockenphasen im Frühjahr, in den meisten Jahren sind diese eher günstig für die Konsolidierung und Bewurzelung der Bestände. Sorge bereiten vielmehr Trockenphasen zur Bestellung, die zu ungleichmäßigen, lückigen Beständen mit viel Durchwuchs führen. Am sensibelsten reagieren die Getreidebestände auf Trockenphasen zur Blüte und die darauf folgenden zwei Wochen: Die Pflanze reduziert übermäßig Kornanlagen, bei anhaltender Trockenheit ist zudem die Differenzierung der Speicherzellen beeinträchtigt, dann leidet auch noch die Kornausbildung. Im Zusammenhang mit Hitze und Trockenheit machen auch das zunehmende Auftreten nichtparasitärer Blattflecken sowie unspezifische Ozonbelastungen Sorge, hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf.

Die Züchter der Saaten-Union berücksichtigen mit großen Prüfkapazitäten in kontinentalen Anbauräumen sowie auf Grenzstandorten die steigende Nachfrage nach trockentoleranten Sorten:

Durch die züchterische Bearbeitung von Getreidearten, die von Natur aus schonend mit den Wasserreserven umgehen, wie Roggen (ASKARI), Gersten (MERLOT, URSA), sowie trockentoleranteren  Körnerleguminosen- und Maissorten.

  • Mit frühen, robusten Sorten mit gleichzeitig verlängerter Kornfüllung. Diese fixieren den Ertrag früh durch eine kräftige Bestockung und zeigen gleichzeitig eine sehr sichere Kornausbildung (EPHOROS, BATIS, PEGASSOS).
           
  • Mit besonders trockentoleranten Hybridweizen-Sorten, die vor allem auf den Trockenstandorten Ostdeutschlands sehr erfolgreich sind: Wie Gemeinschaftsversuche mit der Universität Rostock belegen, verwertet Hybridweizen das Wasser besser und erschließt gleichzeitig dank höherer Wurzelsaugkraft die Wasservorräte tieferer Bodenschichten (HYbNOS, HYBRED)
  • Mit einer besonders intensiven züchterischen Betreuung des Qualitätssortiments, denn Qualitätsgetreide gewinnt bei begrenzter Ertragsleistung an Vorzüglichkeit. Der Abstand zu den B- und C-Sorten ist geringer, das Qualitätsniveau höher (TOMMi A, QUALIBO E, THASOS E).

Mit einer ausreichend hohen Korndichte das Ertragspotential früh fixieren
Bei der Bestandesführung auf Trockenstandorten kommt es darauf an, die vegetative Entwicklung zu begrenzen, damit noch Bodenwasser für den Erhalt und die Füllung der Kornanlagen zur Verfügung steht. Weil die Kornausbildung jedoch ein begrenzender Ertragsfaktor ist, muß mit einer angepasst hohen Korndichte das Ertragspotential frühzeitig fixiert werden. Dafür sind rechtzeitige, dünne Saaten unabdingbar, die Entwicklungen in diesem Bereich dürfen jedoch nicht übertrieben werden. Denn auch eine überzogene Konkurrenz innerhalb der Pflanze muß unbedingt vermieden werden. Mehr als drei Ähren sollten auf Trockenstandorten nicht von einer Weizenpflanze versorgt werden, bei den physiologisch aktiveren Hybriden besitzt jedoch auch der dritte und vierte Nebentrieb noch eine hohe Einkörnung.

Gerade auf Trockenstandorten mit vergleichsweise dünnen Saaten spielt die optimale Verteilung der Einzelpflanzen eine entscheidende Rolle. Versuche der Saaten-Union auf einem Lehmstandort belegen für das Trockenjahr 2003 Mehrerträge von 6,5 dt/ha, andere Versuche belegen besonders hohe Vorteile auf Grenzstandorten. 

Alle entwicklungsverzögernden Anbaumaßnahmen bis EC 39 abschließen
Die Stickstoffdüngung erfordert bei Wassermangel im intensiven Getreidebau höchste Aufmerksamkeit (Abb.1). Einerseits muß sie früh fallen, bei anhaltender Trockenheit bis Erscheinen des letzten Blattes, andererseits darf der Bestand nicht zu üppig werden. Die Gefahr überzogener Bestände ist aufgrund des späteren Vegetationsbeginns in Ostdeutschland jedoch geringer als in westdeutschen Niederungslagen, auch drängt der frühe Langtag im Norden die Bestände beschleunigt in die Schossphase . Außerdem starten die Pflanzen bei Frühsaat in der Regel schon voll bestockt in das Frühjahr, die Startgabe dient also eher dem Trieberhalt als dem Bestockungsanreiz.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Bestandesführung in Trockenlagen ist die rechtzeitig einsetzende Kornfüllung. Im Vergleich zu Küstenlagen reift die Pflanze unter kontinentalen Bedingungen früher und zügiger ab. Eine zeitige Blüte ist zum einen wichtig für eine bessere Wasserversorgung in dieser sensiblen Phase, zum anderen für die volle Kornausbildung aus der aktueller Assimilation und der ungestörten Nährstoffumlagerung. Alle entwicklungsverzögernden Maßnahmen müssen deshalb rechtzeitig und umsichtig eingesetzt werden. Dazu zählen neben der späten N-Düngung vor allem physiologisch aktive Fungizide, aber auch unangepasste WR-Konzepte und späte Blattdüngungsmaßnahmen mit Spurenelementen (Mn!).

Im Hinblick auf ihre Fungizidempfehlungen in Trockenlagen kann die Saaten-Union auf wertvolle Ergebnisse ihrer Inputversuche zurückgreifen. Nach mehrjähriger Auswertung belegen diese deutliche Hauptwirkungen der Jahreswitterung, des Standorts und der Sorte, die zusammen exemplarische Einsatzempfehlungen ermöglichen. Als besonders flexibler Input-Typ hat sich dabei der A-Weizen Tommi herausgestellt. Diese Sorte eignet sich mit ihrer besonderen Wüchsigkeit durchaus auch für trockenere Anbaulagen, wenn sie als Einzelährentyp kräftig entwickelt in die Vegetation startet. Die Sorte zeigt in den dreijährigen Ergebnissen eine enorm hohe Basisleistung im Extensivanbau (Abb. 2). Andererseits reagierte die Sorte in Normaljahren auf zusätzliche Maßnahmen so positiv wie High-Input-Typen, eignet sich also auch für den intensiven Qualitätsweizenanbau.

Sven Böse, Fachberatung Saaten-Union

Stickstoffdüngung auf Trockenlagen
(Beispiel WW), Januar 2004

Herbst: schwache Entwicklung gezielt im Einzelfall
Startgabe:

lückige, schwache Bestände
überzogene Bestockung
früher Vegetationsbegin
später Vegetationsbeginn

früh, hoch und geteilt
verringert und später
etwas geringer
etwas erhöht
Schossen: schwache Bestände
üppige Bestände
EC 30, erhöht
EC 32, reduziert 
Spätgabe: hohe Ertragserwartung
mittlere Ertragserwartung
geringe Ertragserwartung
EC39/45, bis 80 kg/ha
EC37/39, verringert
keine Spätgabe

 

 

 

 

       


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