Hinweis
Die Texte, die Sie in unserem Archiv finden, wurden in den Vorjahren verfasst, sind also hinsichtlich ihres Erstelldatums nicht mehr brandaktuell. Viele Texte haben aber nichts an Fachaktualität verloren.

Bei einigen Beiträgen werden jedoch zum Beispiel Sorten, Ausprägungen oder Preise genannt, die nicht mehr den heutigen Marktbedingungen entsprechen. Wir bitten Sie, dies besonders dann zu berücksichtigen, wenn Sie die Informationen weiterverwenden möchten.

GPS-Bestandesführung in der Praxis

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Optimale Nutzung der vorhandenen natürlichen Schlagdifferenziertheit - ein Praxisbericht von der Agrar GmbH "Neu-Seeland" in Reinstedt

Unsere Grundüberlegungen heißen zusammengefasst:

  • Ziel: Optimale Nutzung der vorhandenen natürlichen Schlagdifferenziertheit (es ist nicht das Ziel, die Differenziertheit zu homogenisieren)
  • Ausgang: Heterogene Bodenverhältnisse und das zur Ertragsbildung zur Verfügung stehende knappe Wasserangebot
  • Ergebnis: Optimale stabile Erträge und Qualitäten über weniger Betriebsmittelkosten durch dessen angepassten Einsatz oder höhere Erträge und Qualitäten durch eine möglichst bestandesspezifische exakte Betriebsmittelverteilung
  • Maßnahmen: Differenziert gesteuerte Teilflächenbehandlung über
        1. Sätechnik - Saatstärke
        2. Düngung - Dosierung (N,P,K)
        3. Pflanzenschutz - Fungizide, Wachstumsregler       

Dazu haben wir in der Ernte 1995 begonnen mit GPS unsere Erträge zu kartieren. Nach 3-jähriger Sammlung der Daten haben wir unsere Schläge, hinsichtlich ihrer anteiligen Ertragsleistung (Differenzierungswerte = 15 dt/ha) definiert und eine Ertragserwartung (EEW) für das durchschnittliche Jahr unterstellt. Im Hauptanbau befindet sich Winterweizen. Wir kalibrierten mit der Leistung einer langjährig ertragsstabilen Sorte in Blattfruchtfolge. Die EEW über alle Schläge ist bei uns 82 dt/ha über alle Schläge mit schlagspezifischen Schwankungen von 65 dt/ha bis 97 dt/ha, die innerhalb eines Schlages nochmals differenziert ist.

Ursachenforschung für geringe Erträge
Wir betreiben 4 Fruchtfolgen und bewirtschaften 14 Fruchtfolgeschläge. Mit der Ertragskartierung haben wir auf 2 Schlägen in der Absicht, Ursachenermittlung für die Ertragsdifferenziertheit im Schlag zu ergründen, eine georeferenzierte Bodenbeprobung durchgeführt, die uns die Erkenntnis brachte, dass die höchsten Nährstoffpotenziale an den Stellen mit niedrigstem Ertrag zu finden waren. Die Nährstoffe haben sich aufgrund von fehlender Wasserkapazität des Bodens nicht in pflanzliche Produktion umgesetzt. Es macht also nur Sinn, diese Stellen im Schlag angepasst zum möglichen Ertrag zu düngen.
Um die Nährstoffgehalte unter Kontrolle zu halten, ziehen wir seit 1999 auf den 14 Fruchtfolgeschlägen an georeferenzierter, ertragsstärkster Stelle eine Bodenprobe. Eine Vorratsdüngung betreiben wir nicht mehr. Wir düngen etwa 1/3 bis 2/3 des Entzuges auf und das grundsätzlich im Frühjahr in den wachsenden Bestand mit einem NPK Mehrnährstoffdünger.

Wie können die erhobenen Daten genutzt werden?
Erst werden theoretischen Ertragserwartungen (EEW) für das durchschnittliche Jahr auf Basis aus den Vorjahren vorliegender Ertragskarten ermittelt. Dann wird mit der aus den Vorjahren den Verhältnissen am nächsten kommenden Ertragskarte unter Zugrundelegung des Zielertrags eine Ertragserwartungskarte für den Schlag erzeugt. Diese dient als Vorlage für die automatische Erstellung einer Applikations- bzw. Sollwertkarte, welche manuell im optischen Vergleich mit einem Abreifeluftbild nachkorrigiert und abgespeichert wird. Die auf diese Weise entstandenen Sollwertdateien werden jährlich einmal überarbeitet und bei Notwendigkeit perfektioniert. Die Saatsollwerte werden dem sich eventuell verändertem TKM bzw. Keimfähigkeiten angepasst.

Mittels prozentualer Zu- und Abschläge direkt bei der Ausbringung von Dünger bzw. Pflanzenschutz können die Sollwerte, ohne sie zu verändern, der Situation angepasst werden. Da die tatsächlich applizierten Mengen je Positionspunkt zurückgeschrieben werden, ergibt sich eine optimale Kontrolle für die weitere Bestandsführung sowie eine präzise Nachweisführung. Das Gefühl für die richtige Entscheidung bei der Bestandsführung erarbeitet man sich am besten mit dem Jahresvergleich der Durchschnittserträge in Verbindung mit den vom April bis Anfang Juli dekadenweise gefallenen Niederschlägen.

Ergebnis
Die Erfahrungen seit 1995 und die exakte Auswertung der letzten 3 Jahre zeigen auf unseren Schlägen mit der Anwendung von GPS einen Mehrertrag von bis zu 3 dt/ha. Durch den differenzierten  Betriebsmitteleinsatz und der damit verbundenen Einsparung, konnten die zusätzlichen Kosten ( GPS ) in einem Jahr  erwirtschaftet werden. Mit Unterstützung der Saaten-Union konnte das Ergebnis untersetzt werden. Über mehrere Sorten wurde mit dem "angesteuerten Drillverfahren" ein Mehrertrag von mindestens  2,5 dt/ha erzielt. Im Vergleich wurden die höchsten Mehrerträge in inhomogenen Schlägen auf den Böden ermittelt, wo das Ertrags-potential am niedrigsten lag.  Unter Berücksichtigung des jeweiligen Sorten-charakters kann die Ausnutzung des Ertragspotentials weiter angehoben werden. 

Herbert Lisso , "Neu-Seeland" Agrar GmbH, Reinstedt




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